Der Apple TV hat eine lange Geschichte (⇒LINK). Zu Beginn seiner Ära wurde er noch klassisch via iTunes mit Medien gespeist und konnte später auch über das Netzwerk auf die iTunes-Bibliothek des Mac/PC zugreifen. Was nur lokal funktionierte, wurde später auch auf Webdienste umgelegt. Die vierte Apple TV Generation erlaubte mit dem neuen Betriebssystem tvOS endlich auch das Installieren und Nutzen von nativen Apps. Und hier beginnt die Geschichte der Apple TV Konsole.

Die-Apple-TV-Konsole-scaled Die Apple TV Konsole

Diese Kolumne ist auch als Podcast verfügbar.

Podcast_Badge_Transparent Die Apple TV Konsole

Der größte Bildschirm zu Hause

Der TV ist der größte Bildschirm im Zuhause. Nicht umsonst hängt oder steht er im Wohnzimmer. Und so manches Zuhause besitzt auch einen zweiten TV im Schlafzimmer. Er sorgt für die gewisse Unterhaltung und bringt bewegtes Bild in unser Umfeld. Dabei ist es schlicht ein dummer Bildschirm, der ein möglichst perfektes Bild abliefern soll. Hierfür ist natürlich auch der Inhalt zuständig. Nicht umsonst sind wir Abonnenten von Netflix, Disney+, Amazon Prime und nicht zu vergessen Apple TV+ (⇒LINK).

Es sind Serien einer neuen Art, mittlerweile auch Blockbuster, die nicht mehr im Kino laufen, sondern zuerst in den eigenen vier Wänden. Der TV ist ein zentraler Punkt, auch wenn es um Gaming geht. Ein TV-Gerät kann für Gaming und Co. nicht groß genug sein und die OLED-Technik, HDR und Dolby Vision haben uns zu sehr verwöhnten Konsumenten gemacht. Wer einmal in diese Welt abgetaucht ist, jammert bei jedem LCD-Bildschirm direkt herum. Daher werden TV-Geräte immer größer, dünner und zugleich auch preiswerter. Jeder kennt noch die riesigen Sony-Fernseher aus den Tagen der Röhrenbildfernseher. Ein Gerät, das ein zur damaligen Zeit großes Bild hervorbrachte, aber auch das halbe Wohnzimmer mit seinen Ausmaßen belagerte. Heute ist ein 65″ TV mit all seiner verbauten Technik oft nur 6 cm dick. Und es liegen gar nicht mal so viele Jahre zwischen dieser Entwicklung.

Gaming …

… ist ein großes Thema. Wir spielen alle irgendwie und irgendwas. Zumindest die meisten. Und sei es nur ein Candy Crush im Wartezimmer beim Arzt. Irgendwo findet jeder ein Spiel für sich. Und manch einer liegt stundenlang mit seiner Nintendo Switch im Bett und zieht mit Schwert und Schild durch Hyrule. Apple fiel die ganze Sache mit dem Gaming eigentlich per Zufall auf die Füße und vielleicht waren es Dinge wie Monkey Ball und Tiny Wings in dem Anfangsstadium des iPhones, was das mobile Gaming ins Leben rief. Heute ist das iPhone oder viel mehr das Smartphone essentiell, wenn es um mobile Gaming geht. Pokemon Go hat sehr eindrucksvoll gezeigt, dass ein klassisches Konsolenspiel in neuem Gewand auch ein erneuter Erfolg sein kann – bis heute. Nintendo liebt seine Kinder und daher werden diese auch nur auf der eigenen Konsolenplattform zu finden sein. Auch wenn die Vergangenheit ganz andere Geschichten zu erzählen hat (⇒LINK).

Das iPhone …

… zählt zu den meist genutzten Geräten, welche Nutzer für mobile Spiele wählen. Es sind heute Dinge wie Pokemon Go, Doodle Jump aber auch Clash of Clans, in denen unzählige Spielstunden und oftmals auch sehr viel Geld im Sinne von In-Game-Währung eingeworfen wird. Und es gibt nun einmal die Nutzer, welche für Spielinhalte echtes Geld ausgeben. Ich selbst besitze seit mehr als vier Jahren einen Account in Pokemon Go und habe so einige In-Game-Dinge gekauft. Nicht unbedingt, weil man muss, aber weil man ein Ziel hat und dieses erreichen möchte. Das ist okay, wenn man den Überblick behält. Doch hier fangen die Probleme nun einmal oft an. Mobile Gaming wird selten so umgesetzt, dass ein Spiel eine Summe X kostet und dann auf 100 % durchgespielt werden kann. Heute sind Spiele meistens kostenlos zum Download verfügbar und ab einem gewissen Stand wird der Nutzer gemolken zur Kasse gebeten. Das mag ein Spielkonzept sein, das für viele okay ist. Allerdings ist es auch nur 50 % der Gamingwelt, die dies okay findet.

Doch selbst Konsolenspiele …

… für Nintendo Switch, PlayStation, Xbox, PC und Mac sind oft mit Zusatzpaketen gespickt und wir alle wissen, dass Ubisoft hier mit Sicherheit die gruseligste Firma hinsichtlich dieses Themas ist. Spiele werden zum vollen Geld verkauft und Zusatzinhalte für das Spiel lassen sich noch für zusätzliches Geld nachkaufen. Wirkt falsch, hat aber oft einen gewissen Spaßfaktor. The Legend of Zelda – Breath of the Wild ist ein mir bekanntes Spiel. Es wurde nicht langweilig. Auch nicht nach einem Jahr. Und wieso? Weil das Spiel zwar irgendwann durch war, Nintendo mit insgesamt zwei kostenpflichtigen Zusatzpaketen neue Optionen in das Spiel holte. So war dieses Spiel mehr als ein Jahr im Gespräch und wurde auch nicht langweilig. Es sind aber Optionen, die jeder Gamer selbst wählt und zu schätzen lernt oder eben nicht.

Apple Arcade …

… ist Apples Antwort auf die Gamingszene. Was mit kleinen Spielebuden anfing, hat sich zu einem großen Konstrukt entwickelt. Apple setzt mit eigenen Mitteln auf Gamingbuden und unterstützt diese finanziell in der Entwicklung ihrer Projekte, wodurch das Endprodukt exklusiv auf Apple Arcade zu finden ist. Das kennen wir von Google und seinem Studio Stadia, doch diese Bude wird kurz oder lang komplett schließen (⇒LINK).

Apple Arcade macht hunderte von Spielen mit nur einem Abo verfügbar und das ohne zusätzliche Kosten. Es sind Spiele, die man jederzeit laden, installieren und testen kann. Man findet so auch schnell sein Genre in dem Spieledschungel. Jeder wird etwas für sich finden. Kinder, Teenager und Erwachsene. Hardcoregamer und Zufallsspieler. Ich selbst tauche manchmal in Apple Arcade ab und genieße dann Dinge wie Oceanhorn und Oceanhorn 2 auf dem iPad. Doch gerade der Apple TV ist hier der beste Punkt, um Apple Arcade eine Chance und eine Bildfläche zu bieten.

Wenn man ein wenig in den Geschichtsbüchern blättert, …

… dann findet man noch alte Erinnerungen. Erinnerungen an eine Zeit, in der Apple auch Kameras, Scanner, Drucker und eine Spielekonsole anbot. Ja, richtig gelesen. Apple veröffentlichte 1996 eine eigene Spielekonsole mit dem Namen “Pippin”. Es war mehr oder weniger ein Mac, da eine abgespeckte macOS-Version als Betriebssystem eingesetzt wurde und zugleich auch ein PowerPC-Prozessor zum Einsatz kam. Aber es war der erste Versuch in eine Konsolenwelt einzusteigen. Das Spielkind lebte nur ein Jahr lang und wurde dann aus dem Verkauf genommen. Das gesamte Konzept war zu schwach aufgestellt, um als Konkurrent gegen Nintendo und Sony antreten zu können. Doch es zeigt bis heute, dass eine Spielekonsole schon lange in den Gedanken Apples schwebte.

Wahrscheinlich wurde all dieses Gaming-Denken, das Denken, wie Software im Sinne von Apps genutzt wird und wie einfach ein Betriebssystem zu funktionieren hat, in den Apple TV gesteckt. Zumindest wirkt es nach all den Jahren und von hinten beleuchtet so. Der Apple TV steht schon lange in diesem Gewand stumm im Wohnzimmer. Ich kenne kaum jemanden, der ernsthaft damit ein Spiel spielt. Vor allem auch, weil der nötige Controller dafür extra gekauft werden muss. Und bei einem Apple TV 4K, der bei der preislichen Anschaffung sowieso einige Linien überschreitet, ist ein Gamingcontroller für zusätzliche 70 € mit Sicherheit keine Investition, die man einfach so tätigt.

Die Apple TV Konsole

Der Apple TV 4K hat genügend Power, um 4K-Inhalte flüssig und zuverlässig wiedergeben zu können. Er macht den angeblichen Smart-TV schlicht zu einem dummen Bildschirm und stattet ihn mit einer einfachen und verlässlichen Benutzeroberfläche aus. Apple Arcade ist hier nur ein Wisch auf der Siri Remote entfernt und mit einem Druck auch geöffnet. Mögen die Spiele beginnen. Doch hier fehlt es dem Apple TV an noch viel mehr Power. Es wird Zeit für eine neue Generation des Apple TV und diese muss mehr können, als es der Apple TV 4K derzeit kann. Apples eigene Prozessoren wie der M1 zeigen ganz klar auf, dass die Reise energieeffizienter, aber auch rechenintensiver wird. Ein kleiner Lüfter in der Unterseite des Apple TV 4K sorgt schon heute für etwas Abkühlung, sollte der A10X Fusion Prozessor etwas stärker arbeiten müssen. Doch der Apple TV 4K wirkt alt und in die Jahre gekommen. Der Apple TV der sechsten Generation könnte das werden, was Apple in seinem Ökosystem noch fehlt – eine Spielekonsole. Genauer gesagt – eine Apple TV Konsole.

Nehmen wir an, der Apple TV behält seinen kleinen Formfaktor, setzt weiterhin auf seine bekannte Benutzeroberfläche und bindet sich so unscheinbar in das Wohnzimmergeschehen ein, dann macht er in dieser Form weiterhin alles richtig. Nehmen wir aber einmal an, es liegt eine überarbeitete Siri Remote bei, ebenfalls ein passender Gamingcontroller und vielleicht erhält man auch noch die Wahl das Gerät in Schwarz oder Weiß erwerben zu können, dann macht der Apple TV noch viel mehr besser. Würde jedem Nutzer direkt ein Gamingcontroller in die Hand gelegt werden, wäre Apple Arcade damit auf noch kürzerem Wege erreichbar. Vor allem, wenn auf dem Gamingcontroller hierfür nur ein eigener Arcade-Knopf gedrückt werden müsste und man damit direkt in Apple Arcade landet.

Das fehlende Puzzleteil im Ökosystem

Apple kann seine Arcade so gut ausbauen wie sie wollen – es fehlt am Ende an einem Ende. Vom Wohnzimmer ist die Rede. Da, wo viele potentielle Gamer anwesend sind und schon heute ihre Spielekonsolen quälen. Die Softwaresache hat Apple im Gefühl und auch im Griff. Das zeigt vor allem die breite und qualitativ hochwertige Art der einzelnen Spiele auf. Mit einem Apple TV als Konsole könnte man aber noch viel mehr Wege in diesem Segment gehen. Man könnte endlich mit Apple Arcade auch NextGen-Spiele anbieten, da die nötige Hardware dafür endlich verfügbar wäre. Ich bin mir nicht sicher, ob Apple hier gleich denkt, aber ich hoffe, dass dieses Puzzleteil mit einer Apple TV Konsole schon bald in seine passende Ecke eingelegt werden kann und das Bild komplett wirkt.

Eine gute Idee löst nicht nur ein einzelnes Problem, sondern kann mehrere Probleme gleichzeitig lösen.

∼ Shigeru Miyamoto – Spieleentwickler ∼

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