Ein Kabel sie zu knechten – das wäre in diesem Fall dann USB-C. Dieser Standard setzt sich seit den letzten Jahren immer mehr durch und ist überall anzutreffen. Selbst Apple nutzt ihn von Beginn an in seiner Mac-Reihe, beim iPad Pro, aber nicht beim iPhone. Hier wird schon seit zwei Jahren gemunkelt, dass Lightning für USB-C am iPhone weichen muss (⇒LINK). Doch was wäre, wenn das iPhone plötzlich keinerlei Kabelanschluss mehr besitzen würde?

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Der iPod als erster Start

Mit dem iPod wurde nicht nur die Musik tragbar und konnte überall gehört werden, auch der Dockconnector hielt Einzug in unsere Kabel- und Connectorwelt. Ab diesem Zeitpunkt war ein USB-A auf Dockconnector ein Kabel, das man immer dabei hatte und auch oftmals an mehreren Punkten im Haus verteilt hielt. Nicht durch bloßen Zufall besaß man Lautsprecher mit Dockingstation, um seinen iPod darauf aufladen, aber auch die Musik aus einem voluminösen Lautsprecher erklingen zu lassen. An dieser Stelle einen kleinen Gruß an den iPod Hi-Fi aus alten Tagen. Du warst ein sehr netter und langer Begleiter.

Der Dockconnector besaß 30 Pins. Einige waren zum Laden und andere zum Übertragen von Daten verantwortlich. Die Belegung war hier ganz klar verteilt. Nichts konnte variiert werden. Nur diese und jene Pins waren exakt zum Laden oder Übertragen von Daten nutzbar. In der Praxis war uns das aber alles völlig egal, denn die Magie des iPod war sowieso im Alltag schon ein Zauber für sich. Hauptsache, die Musik und Podcasts ließen sich an Mac und PC via USB-Kabel mit iTunes auf das Musikabspielgerät übertragen und Playlisten synchronisieren. Und Hauptsache, der iPod ließ sich auch unterwegs aufladen, wenn er nach unzähligen Stunden des Musikgenusses an seinem Abspielende ankam.

Das iPhone als Neuanfang

Dinge ändern sich. Vor allem Technologien. Der iPod wurde immer handlicher, konnte immer mehr Musik an sich reißen und speichern. Außerdem bekam er einen großen Bruder. Einen iPod mit Multitouchdisplay. Dieser konnte auch telefonieren und eine Verbindung zum Internet herstellen. Wir alle wissen, dass vom iPhone die Rede ist. Das iPhone setzte von Beginn an auf den Dockconnectoranschluss des iPod und machte das Aufladen und Beladen von Musik via iTunes zu einem bekannten Vorgehen. Was für den iPod und das iPhone gut war, war auch für das iPad gut genug, um als Standardanschluss genutzt werden zu können.

Doch der Schlankheitswahnsinn und das Begehren nach einer immer schmaleren Taille machten iPhone und iPad so dünn, dass der Dockconnector keinerlei Platz am untern Geräterand mehr fand. Und da der analoge Dockconnectoranschluss sowieso in die Jahre gekommen war, wurde er kurzerhand durch ein jüngeres und schmaleres Modell ausgetauscht – der Lightninganschluss. Dieser digitale Anschluss besaß und besitzt noch heute zwei Partien, um am Spiel die Spieler richtig laufen lassen zu können. Einmal wäre dies die Lightningbuchse, in der acht Kontaktstellen sitzen. Diese Buchse sitzt immer im Endgerät und nimmt hier den Lightningstecker mit seinem Chip und den darauf platzieren acht Kontakten entgegen.

Anders als beim Dockconnectoranschluss kann der Lightninganschluss die Arbeit der Pins frei vergeben und selbstständig entscheiden. So können acht Pins komplett für Fast Charging zum Aufladen eines iPhone und iPad genutzt werden, oder auch nur vier Pins, da die anderen vier Pins zeitgleich für den Datenaustausch zu einem Computer oder sonstigem angeschlossenen Zubehör genutzt werden. Ganz schön viel Technik, wenn man sich das mal genauer betrachtet.

Rank und schlank ist nur eine Seite der Münze

Der Aufschrei war beim Wechsel vom Dockconnectoranschluss auf den Lightninganschluss allerdings sehr groß. Zubehör war plötzlich nicht mehr kompatibel. So war die einstige liebgewonnene und sündhaft teure Anlage im Wohnzimmer plötzlich nicht mehr mit dem iPhone und dessen Lightninganschluss nutzbar. Für dieses Szenario stellt Apple allerdings von Beginn an einen Adapter zur Verfügung. Dieser konnte auf den Dockconnectoranschluss gesteckt werden, wandelte das analoge Signal in ein digitales Signal um und gab es am anderen Ende als Lightninganschluss aus.

So konnte von Beginn an ein iPhone 5 mit allem Dockconnectorzubehör genutzt werden. Vor allem im Auto, wo das “iPod-Kabel” seit Jahren von Autoherstellern fest verbaut wurde und die Verbindung zwischen iPod und Musikanlage des Autos herstellte. Heute wissen wir auch, wieso der 30-Pin-auf Lightning-Adapter stolze 39€ kostete. Er rechnete das analoge Signal in einen AirPlay-Stream um und konnte es so in einem Zuge digital ausgeben. Dinge haben also ihren Preis, wie man weiß.

Lightning – ein alter Begleiter

Das iPhone ist mittlerweile einige Jahre her und auch der Umstieg auf Lightning zugleich. Weiß eigentlich noch jemand, dass es zum Release vom iPhone 5 kaum Lightningkabel zu kaufen gab? Ja, sie waren gefühlt immer ausverkauft und nur Apple selbst vertrieb sie. Heute ist das kaum noch zu glauben. Gibt es mittlerweile von den unterschiedlichsten Herstellern ein Lightningkabel zu kaufen. Und mittlerweile sind wir im Zeitalter von USB-C angekommen, wodurch das Lightningkabel auf einer Seite seinen Steckertyp wechselte. Nun sind beide Kabelenden beidseitig einsteckbar und nutzbar, allerdings nur in eine Richtung.

Doch wozu benutzen wir den einen übrig geblieben Port am iPhone heute noch? Schon nach der Abschaffung des 3,5mm Kopfhöreranschlusses war klar, dass die Reise kabellos weitergehen würde. In Zeiten von AirPods haben wir auch jeglichen Gedanken an kabelgebundenen Kopfhörer verloren. Denn sie stören mit ihrem Kabelwirrwarr schlicht nur noch. Wo also ein Port wegfiel und dessen Aufgabengebiet heute kabellos fortgeführt wird, wie würde es aussehen, wenn der Lightningport am iPhone verschwinden würde und das iPhone somit keinerlei Ports mehr hätte?

Wer bist du und was machst du?

Also wofür nutzen wir den Lightningport am iPhone heute noch genau? Wer synchronisiert heute noch regelmäßig sein iPhone mit dem Mac oder PC? Wenn ja, welches Szenario betreibt man hier genau und ist es am Ende wirklich sinnvoll? Ja, es mag Nutzer geben, die das iPhone noch regelmäßig mit dem Mac oder PC verbinden und so Dateien von A nach B schieben. Ich bin aber der Meinung, dass diese Welt sehr klein ist, denn viele wissen nicht einmal mehr etwas mit dem Begriff “iTunes” anzufangen. In Zeiten von Streaming, egal ob es Audio- oder Videoinhalte sind, ist Synchronisieren von Medienkatalogen über eine Kabelverbindung mehr als nur oldschool geworden.

Von 0 auf 50 in nur 30 Minuten!

Um ehrlich zu sein nutzen wir den Lightningport also nur noch zum Aufladen des iPhone. Gerade Fast Charging macht es uns hier sehr einfach, um einen leeren iPhone-Akku schnell mit Energie nachtanken zu können. 30 Minuten an Zeit und der Akku ist von 0% auf 50% aufgeladen. Das reicht heute für einen halben Tag aus, um wieder mobil sein zu können. Im Auto sieht es hier ein wenig anders aus. Für Apple CarPlay braucht es ein Kabel. Nur so können iPhone und KFZ miteinander kommunizieren und das iPhone zeitgleich auch aufgeladen werden. Wer Apple CarPlay Wireless nutzt, hat diese Kabelverbindung nicht nötig. iPhone und KFZ verbinden sich via Bluetooth. Wer das iPhone im Auto laden möchte, muss also ein Lightningkabel für den Zigarettenanzünder nutzen (⇒LINK).

Wer eine Qi-Ladefläche in seinem Auto besitzt, kann das iPhone hier ablegen und es so kabellos laden. Mit Wireless CarPlay und einer induktiven Auflademöglichkeit wäre es im Auto also komplett ohne Kabel zu bewerkstelligen, dass beide Geräte miteinander kommunizieren und das iPhone im gleichen Augenblick auch aufgeladen wird. Aber wer hat im Alltag schon diese Möglichkeit parat? Gerade, weil die kabelgebundene CarPlay-Variante die verbreitetste Variante ist.

Im Alltag noch nicht vorstellbar, aber denkbar

Wir brauchen den Lightninganschluss eigentlich nur noch zum Aufladen. Das ist sicher. Aber was wäre, wenn das iPhone in zwei Jahren dennoch keinen Lightninganschluss mehr besitzen würde? Es wäre in diesem Fall nur noch kabellos aufladbar. Doch wenn man an diesem Punkt das Problem sieht, sieht man nicht weit genug. Nur weil ein iPhone nur noch kabellos geladen werden kann, muss das nicht heißen, dass es nur noch Probleme gibt.

Was wäre, wenn das iPhone kabellos in der gleichen Geschwindigkeit aufgeladen werden könnte, wie es Fast Charging via Lightningkabel erlaubt? Und was wäre, wenn ein iPhone genug Akkukapazität und bestmögliches Energiemanagement besitzen würde und so nur alle zwei Tage wirklich aufgeladen werden müsste? Und was wäre, wenn Apple die AirPower-Geschichte vielleicht doch nochmal angehen und hinbekommen würde? Fragen ohne derzeit große Antwortmöglichkeit. Allerdings Ansichten, die es zu betrachten lohnt. Und dennoch ist das heute noch alles nicht vorstellbar. In ein paar Jahren aber sicherlich denkbar. Und in Jahren danach ganz normaler Alltag. Oder wer stöpselt heute noch kabelgebundene Kopfhörer an sein iPhone?

Alte Zöpfe sollte man nicht abschneiden, sondern entflechten und durchkämmen.

∼ Peter F. Keller (Schweizer Autor) ∼


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