Dichter, weißer Nebel steigt auf und hüllt die Umgebung in eine magische Atmosphäre. Da! Plötzlich taucht ein Mann in weißem Anzug auf. Er ähnelt einem Astronauten. Eine runde Scheibe hält er in der Hand. Jetzt ist klar und erkennbar, dass er ein Labormitarbeiter sein muss. Er läuft mit der runden Scheibe in den Händen über die Bühne und steuert dabei auf einen Mann in blauen Jeans und schwarzem Rollkragenpullover zu. Es ist Steve Jobs, den er da ansteuert. Kennen wir denn noch diese Bilder aus alten Tagen? So demonstrierte Steve Jobs einst den Umstieg vom Power PC zum Intel-Mac. Vielleicht eine etwas übertriebene Zeremonie, die da abgehalten wurde. Allerdings erwartet uns ein erneuter Wechsel der Prozessorart. Die Frage ist nur, ob im Mac künftig ein Prozessor von Intel, AMD oder ein Prozessor mit einer hauseigenen ARM-Architektur arbeitet.

Intel_AMD-ARM_Mac_Apple_Zukunft_Kolumne-scaled Intel, AMD oder ARM?

Diese Kolumne ist auch als Podcast verfügbar.

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1991 – lange ist’s her.

Im Jahr 1991 wurde durch ein US-amerikanisches Konsortium der Unternehmen Apple, IBM und Motorola eine spezifizierte Mikroprozessor-Architektur besiegelt. Hiermit wurde der Grundstein für die Prozessorarchitektur “Power PC” gelegt. Apple hielt sich lange an diesen Plan und verfolgte ihn auch konstruktiv. Es gab eigentlich kein Jahr, in dem nicht ein Macintoshcomputer ein Update erhielt und somit mit dem neuesten Prozessor auf der Architektur von Power PC arbeitete. Doch Zeiten ändern sich und man hätte zu damaligen Zeiten gewisse Dinge mit Sicherheit nicht so schnell erwartet.

Mitte 2005 ließ Steve Jobs auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco eine kleine Bombe platzen. “Wir wechseln von Power PC zu Intel”, waren seine Worte. In der Zuschauermenge blieb es totenstill auch keinerlei Begeisterung war zu hören oder zu spüren. Der erste Mac mit Intel-Prozessor solle Mitte 2006 erscheinen. Jeder dachte an einen von langer Hand geplanten Witz – gerade in Zeiten, in denen sich Apple mit Microsoft in etlichen Konflikten befand und sich über verletzte Patente und abgekupferte Ideen streitete.

Eine Punktlandung in Rekordzeit

Aber Steve Jobs löste sein Versprechen ein. Mit einer Punktlandung in Rekordzeit kündigte er 2006 den ersten Mac mit Intel-CPU an. Und genau hier kommen die alten Bilder ins Spiel, in denen ein Intel-Mitarbeiter in weißem Laboranzug über die weiß vernebelte Bühne läuft und eine Scheibe mit Prozessoren aus der Produktion in Richtung des Apple Visionärs läuft. Ab diesem Punkt war es Intel, der dem Mac die nötige Prozessorkraft verlieh und eng mit Apple an einem Strang zog.

Was Steve Jobs wusste und alle anderen nicht, war, dass das iPhone in den Startlöchern stand. Heute wissen wir, dass es 2007 so weit war. Und heute wissen wir auch, dass Steve sehr gerne einen Prozessor von Intel im iPhone verbaut hätte. Doch Intel wies diese Pläne mit der Begründung, die Stückzahl wäre zu klein und unprofitabel, ab. Heute wissen wir, dass dies der größte Entscheidungsfehler in der Intel-Geschichte war. Also ging Apple zu Motorola zurück, welche schon für den Power PC die nötigen Prozessoren fertigten und ließ auch die ersten iPhone-Prozessoren dort fertigen.

Ziel verfehlt und komplett ertrunken

Wenn wir heute an den Mac denken, dann denken wir automatisch auch an Intel. Dieser Verbund ist einfach so gefestigt, dass es keine anderen Denkweisen in dieser Richtung geben mag. Wenn wir an das iPhone und das iPad denken, dann denken wir automatisch daran, dass deren Prozessoren von Apple konzipiert wurden. Auch hier ist es ein gefestigter Gedanke, denn jeder Prozessor trägt als Kennung ein “A”. Die Zahl dahinter verrät die jeweilige Generation und ob diese auch eine neue Grafikeinheit für das iPad besitzt. So besitzt ein iPhone 11 Pro einen A13 Bionic Chip, wohingegen ein iPad Pro einen A12X Bionic Chip besitzt. Hier macht das “X” den Unterschied, denn genau hierfür steht die Grafikleistung des Prozessors. Wir kennen diese Kennungen seit Jahren und diese sind für uns ganz normal. Vielleicht so normal, wie alte Aufkleber mit der Bezeichnung “Intel inside” auf so manchem Windowscomputer.

Doch wo ist Intel heute? Aus dem einstigen “Tocks” wurden viele “Ticks”. Das Tick-Tock-Modell von Intel aus 2007 zeigte auf, dass eine neue Prozessorfamilie (Tock) nach einiger Zeit eine verbesserte Variante erhält (Tick), bevor dann die nächste Prozessorfamilie erscheint (Tock). Wie ein Uhrwerk sei so der Takt der Prozessorentwicklung und Veröffentlichung angesetzt. Dieser Plan hielt nur kurze Zeit an und heute hört man von diesen Plänen auch nichts mehr. 2016 benannte man das Modell daher schlicht in “Prozess, Architektur, Optimierung” (PAO-Modell) um. Aber man hört von Intel allgemein wenig. Sogar das eigene LTE-Modem-Geschäft wurde aufgegeben. Der Aufkäufer war Apple persönlich, welcher auch alle Mitarbeiter übernahm. Wir setzten immer auf das Intel-Know-how – aber irgendwie hat sich dieses verflüchtigt. Wie ein weggeschmolzener Prozessorkern …

2021 – das erneut vernebelte Bühnenjahr

Es gibt sie, die Gerüchte um einen ARM-Mac. Diese gibt es aber schon länger und selbst Intel bestätigt, dass Apple in naher Zukunft einen Mac mit ARM-Prozessor zu veröffentlichen plant. Natürlich macht das Sinn, denn Apple ist im Konstruieren von ARM-Prozessoren ein Meister der Klasse geworden. Da Intel sein Uhrwerk zurückgestellt hat und sehr gemächlich in Sachen Prozessorweiterentwicklung geworden ist, ist Apple mehr oder weniger auf einem Abstellgleis gelandet. Klar, denn wenn Intel nicht liefert, dann liefert auch Apple nicht. Jeder Mac ist auf Intel-Prozessoren angewiesen und gibt es hier nichts neues, dann bleiben Mac-Modelle, wie sie sind. Teilweise veraltet – wenn man sich beispielsweise mal den iMac und iMac Pro betrachtet (⇒LINK).

Der Mac muss also neue Wege gehen. Vor allem, weil Apple ihn nicht aufgibt. Was gut ist. Ein ARM-Mac wäre eine Möglichkeit. In Anbetracht der langen Akkulaufzeit und Einsparung von Energie sowie der Wärmebildung wäre ein ARM-Prozessor im Mac ein guter Kandidat für ein ultradünnes MacBook-Design. Es kann also nicht nur Zufall sein, dass das 12″ MacBook eingestampft wurde. Dieses Gerätekonzept wäre der beste Kandidat, um künftig als ARM-Mac erneut aufzuleben und den gleichen Zauber zu verbreiten, wie es ein aus einer Versandtasche gezogenes MacBook Air tat.

Drei Mitspieler auf einem Platz

Neben Intel und der ARM-Architektur gibt es aber noch einen dritten Mitspieler und diesen vergessen viele. Es ist kein geringerer als AMD. Intel, AMD und ARM – drei Mitspieler. Schon in den letzten Jahren setzte Apple keine Grafikkarten mehr von Nvidia im Mac-Segment ein. Das kann man mögen oder auch nicht. Fakt ist, dass AMD und Apple eng zusammenarbeiten, was Grafikeinheiten für Mac-Modelle angehen und somit das Konstrukt aus Hardware und Software Bestand hält. Das beste Beispiel sind die neuen AMD-Grafikeinheiten im MacBook Pro und vor allem die dedizierten Grafikkarten im Mac Pro. Aber auch beim iMac setzte man auf die Grafikexpertise von AMD und rüstet den Desktopcomputer somit ideal für Grafikarbeiten aus.

Doch AMD kann nicht nur Grafikchips, sondern auch Prozessorchips. Und da AMD hier enorm viel Potential investiert hat, rennt so mancher Ryzen-Prozessor heute an einem Intel-Prozessor vorbei. Vor allem für weniger Geld und mit besserem Energiemanagement. Da AMD mittlerweile auch Prozessoren für den Notebookbereich veröffentlicht hat, ist es auch möglich, dass der Mac künftig auf AMD-Prozessoren setzen könnte – im mobilen und stationären Bereich. Der Mac könnte also künftig nicht nur einen, sondern sogar zwei Wandel mitmachen. Auf der einen Seite würde Apple komplett auf Intel-Prozessoren verzichten. Auf der anderen Seite würden sie AMD-Prozessoren in stationären Mac-Modellen verbauen und auch das MacBook Pro vorerst in dieses Vorhaben aufnehmen. Und auf der wieder komplett anderen Seite würde sich ein neues Mac-Modell mit ARM-Prozessor einen Fuß fassen, das lernt und irgendwann auch das MacBook Pro zum Wechseln bewegen würde. Intel, AMD und ARM – die Auswahl ist nicht sonderlich groß.

Es bleibt also (noch) eine offene Frage, ob es Intel, AMD oder ARM sein werden, die den Mac und seine Zukunft gestalten werden.

Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern eher diejenige, die am ehesten bereit ist, sich zu verändern.

∼ Charles Darwin ∼


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