Der iMac ist mittlerweile seit Jahrzehnten der meistverkaufte Desktopcomputer. Zumindest wenn man sich All-In-One-Computer und ganz speziell die von Apple betrachtet. Es ist kein Zufall, dass der iMac eine bekannte Symbolik für ein funktionierendes, einfaches und dennoch chices Computersystem darstellt, das in etlichen Filmen als Requisite genutzt wird, aber auch im eigenen Umfeld in etlichen Punkten in den Betrachtungswinkel fällt. Der iMac war der erste große Neuanfang für Apple und dieser steht gefühlt seit Jahren permanent still auf einem Fleck. Wie sieht also die Zukunft für den iMac und auch für den iMac Pro aus?

Die_Zukunft_des_iMac_und_iMac_Pro_Kolumne_Artikelbild-scaled Die Zukunft des iMac und iMac Pro

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Podcast_Badge_Transparent Die Zukunft des iMac und iMac Pro

Der iMac besitzt eine lange Vorgeschichte

Den iMac gibt es erst seit 1998. Das klingt extrem lange her, denn der iMac für sich ist nun mehr als 20 Jahre alt. In dieser Zeit hat er sich gewandelt. Er hieß nicht immer schlicht iMac, sondern besitzt sehr alte und zugleich tief verankerte Wurzeln aus der guten, alten Zeit des Macintoshcomputer. Eine Computer-Ära, welche provokant beworben wurde und längst vergessene Kämpfe gegen IBM führte. Heute ist der iMac ein Nachfolger des Macintosh 128K, welcher auch schon auf einem Schreibtisch abgestellt worden konnte, ein All-In-One-Computer war und dank eines Tragegriffs im Gehäuse auch schnell umgesetzt worden konnte.

Von Bondi Blue bis Space Grey

Der erste iMac wurde 1998 von Steve Jobs persönlich vorgestellt. Es war der große Neuanfang für Apple, denn dem Konzern ging es während der Firmenabwesenheit von Steve Jobs schlecht. Man verkalkulierte sich schlicht und ging nicht auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Computeranwender im Desktopbereich ein. Der iMac G3 sollte das alles richten und das tat er auch. Er wirkte futuristisch und freundlich. Sein Gehäuse war teilweise transparent und weitere Gehäuseteile bunt eingefärbt. Ein iMac G3 in Bondi Blue war ein freundlicher Computer auf dem Schreibtisch und dieser strahlte einen wie das Icon des Finders an – jeden Tag. Er besaß alles, was man sich im Jahr 1998 wünschte. Ein CD-Fach direkt auf der Vorderseite konnte so auch CDs und DVDs annehmen. Außer einer Tastatur und einer Maus musste man wenige Kabel verlegen und ertragen.

Aus dem freundlichen Neuanfang wurde ein Kassenschlager und Apple erlebte den erhofften Aufschwung, wodurch der Laden gerettet wurde. Der Kampf mit IBM war zu diesem Zeitpunkt komplett vergessen, denn Microsoft war mit Windows ein viel größerer Kontrahent und in vielen Punkten auch ein Meister der Kupferstecherei – was das Abkupfern vielleicht etwas neutraler betitelt.

Kopf hoch!

Der iMac G3 wurde zu einem kleinen Merkmal des technischen Endes der 90er Jahre. Die 2000er-Wende brachte da neue Ideen an den Tag. Bis heute ist der iMac G4 mit Sicherheit eines der schönsten Designs. Eine Halbkugel liegt auf dem Schreibtisch, ein mittig darin aufgestelltes Gestänge aus zwei Gelenken hält einen Monitor darüber und alles funkelt in einem reinen Weiß. Apple hat sich damals schon an alten Designs orientiert. Und so ist es bis heute unverkennbar, dass der iMac G4 einer Luxor Lampe ähnlich sieht. Der Bildschirm war erstmals in seiner Höhe einstellbar und machte den iMac so noch attraktiver in der Bedienung. Kaum einer weiß, dass die Animationsfirma Pixar, schon vor der Übernahme durch Disney und noch unter der CEO-Leitung durch Steve Jobs, eine Luxor Lampe im gleichen Zeitraum als Animations-Maskottchen verwendete und dies eine kleine Hommage an den iMac G4 darstellte. Wenn Design zu Design spricht.

Ein hochglanzweißes und neues Gesicht

Die verspielte Attraktivität verlor der iMac mit seiner Modellreihe G5. Der gesamte Computer steckte nun in einem dicken und rechtwinkligen Gehäuse aus Kunststoff, welches an einem Fuß aus Aluminium aufgehangen war und sich dadurch auch im Betrachtungswinkel einstellen ließ. Man schaut fortan nur noch auf einen Bildschirm, hinter dem direkt alle Computertechnik gebündelt arbeitete. Bis heute hat sich an diesem frontalem Anblick eines iMac nichts geändert. Es ist ein Guss aus Display und Desktopcomputer. Der iMac verlor 2007 seine Nutzung von Kunststoff. Er besteht bis heute komplett aus Aluminium und das machte ihn von einem verspielten Genossen aus 1998 zu einem professionellen Computerwesen auf Schreibtischen. Hier ist auch der Wechsel vom PowerPC zu Intel nicht ganz zu vergessen. Denn erst hierdurch war die Software imstande, um noch professioneller auf Kundenanwendungen zurechtgeschnitten werden zu können.

Das Design und sein Zwiespalt

Man kann sich über Design streiten. Mit Sicherheit aber auch über dessen Funktion. Design sollte immer zugleich die Funktion des Gerätes widerspiegeln – so Apple. Der iMac wurde 2012 ultradünn – zumindest wenn man seitlich auf die Displaykante sah. Ein gebogenes und nach außen verjüngtes Gehäuse aus Aluminium ließ den iMac optisch federleicht wirken und war in 5 Jahren die erste große Designveränderung. Neben den 21,5″ Display gesellte sich ein 27″ Display, wodurch der iMac in zwei Größen erhältlich war.

Auch Anschlüsse änderten sich permanent mit. Thunderbolt 1, Thunderbolt 2 und Thunderbolt 3, USB A Ports mit weißen und später mit blauen Markierungen für die Kennzeichnung der USB 3 Unterstützung und nun USB C, waren allesamt eine längere Reise des Technologiewandels. Und auch intern vollzog der iMac etliche Überarbeitungen. Festplatten sind heute nur noch im Standardmodell des iMac zu sehen. Schnelle Flashspeicher, schneller Arbeitsspeicher, bis zu 18 kernige Intel-Prozessoren, ein 4K-Display für das 21,5″-Modell und ein 5K-Display für das 27″-Modell machten den iMac zu einem Wunderwerk der Technik. Und der iMac Pro setzte mit seinem Gehäuse in Space Grey und seiner enormen Ausstattungsmerkmalen einen dicken Punkt im Pro-Sektor fest. Doch der iMac steht still. Seit Jahren. Wie sieht die Zukunft des iMac und iMac Pro aus? Wie könnten Dinge sich logisch weiterentwickeln, damit der iMac ein sinnvoller All-In-One-Computer bleibt?

Es braucht eine sinnvolle Weiterentwicklung

Der Mac Pro 2019 und das Apple Pro Display XDR machen es ein wenig vor – auch wenn dieses sein ganz eigenes Problem besitzt (⇒LINK). Die konzentrieren sich zusammen auf den Pro-Sektor und legen damit das größtmögliche Merkmal für professionelle Arbeiten an den Tag. Doch auch der iMac ist im Pro-Sektor angekommen. Für viele reicht hier schlicht eine höhere Ausstattung des iMac aus. Andere greifen direkt zum iMac Pro. In beiden Klassen werden allerdings hohe Aufgaben erledigt. Allerdings in einem anderen Segment als es der Mac Pro und sein dazugehöriges Display vollziehen.

Was braucht der iMac also? Etwas mehr Zuneigung zumindest, denn von vorne betrachtet sieht er im Jahr 2020 noch immer wie aus 2007 aus: Ein Display mit spiegelndem Glas und seine dicken schwarzen Ränder drumherum. Zwar schmälert dieser dicke Eindruck ab, wenn sich das Display über seine schmale Kante zum Gehäuse angliedert, doch von vorne bleibt es schlicht ein altbackender Anblick. So sexy iPhone, iPad und auch MacBook wurden, so stur blieb der iMac in seinem Modekleid aus 2007 neben der Tanzfläche stehen. Die Musik spielte für ihn gefühlt ganz woanders.

Vorbilder aus anderen bestehenden Klassen

Der iMac muss wieder frisch wirken. Er darf gerne die dünne Gerätekante verlieren und sich so dem Apple Pro Display XDR annähern. Er sollte zugleich aber auch seine dicken Displaykanten verlieren und sich auch hier das Pro Display zum Vorbild nehmen. Und auch die Höheneinstellung sollte er vom Pro Display erlernen – wie die alte Luxor Lampe das auch schon kannte. Er könnte sich aber auch hier das 16″ MacBook Pro als Vorbild betrachten und die Ränder auf die wesentlichen beschränken. Und wo wir schon bei den Rändern sind – eine FaceTime-Kamera mit 4K-Auflösung und Face ID Technologie sollte im oberen Teil des Displayrandes eine große Rolle spielen. Niemand sieht dich beim Arbeiten geradewegs so oft von vorne an, wie es ein iMac am Schreibtisch tut. Es wäre hier nur logisch, den iMac künftig auf diese Art entsperren zu können.

Und wie wäre es, wenn es keinen iMac Pro mehr geben würde? Apple könnte das Kühlungssystem aus dem iMac Pro, welcher der normale iMac derzeit nicht besitzt, auf diesen übertragen. Es gäbe somit nur noch einen iMac mit dem gleichen Kühlungssystem, welcher leise und kühl laufen würde. Es gäbe ihn in zwei Displaygrößen. Mit Konfigurationen für den durchschnittlichen Nutzer und mit Konfigurationen für den Pro-Anwender. Und wahlweise in einem Aluminiumgehäuse in Silber oder Space Grey. Wieso also nicht diesen Sektor komplett vereinen und die Ausstattungsgröße dem Anwender überlassen? Und auch die Magic Tastatur mit Ziffernblock könnte ein einheitliches Bild im iMac-Bereich werden – und gerne künftig mit einer einstellbaren Hintergrundbeleuchtung. Der iMac braucht dringend mehr Zuneigung, mehr Umdenken und mehr Veränderung. Und ich hoffe, dass 2020 das Jahr des iMac wird, in dem er frisch, moderner und aufgeplustert auf dem Schreibtisch für neue Aufgaben bereitstehen wird.

Wie sieht also die Zukunft des iMac wohl aus?

Jede Firma, die während wir mit dem Mac begonnen haben, auch begann Computer zu bauen – sie sind alle weg.

∼ Phil Schiller ∼


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