Der Mac-Zerfall hat sich zum Glück doch nicht so angekündigt, wie einst gedacht (⇒LINK). Aber das lässt nun neue Fragen aufkommen. Wie viel “Pro” steckt eigentlich in allen von uns? Eine gute Frage, oder? Lässt sie sich so einfach beantworten? Vor allem, wenn vor einem auf dem MacBook am unteren Rand der Zusatz “Pro” steht und wir diesen Namenszusatz vielleicht gar nicht im Alltag ausnutzen? Viele Fragen, aber der wirkliche Pro-Nutzer wird sie sich sicherlich direkt beantworten können. Es sind nämlich Fragen, die wirklich nur das eine Prozent der Mac-Nutzer beantworten kann, vor allem wenn man sich unter den restlichen 99% der Mac-Nutzer das Problem mit dem Apple Pro Display XDR betrachtet.

Das-Problem-mit-dem-Apple-Pro-Display-XDR-Kolumne-Artikelbild Das Problem mit dem Apple Pro Display XDR

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Die jammernde, breite Masse

Also Butter bei die Fische! Wie viel Pro ist jeder von uns? Wenn wir unseren Alltag am Mac genauer betrachten, dann sind es in den meisten Fällen immer Standardaufgaben, die wir auf der Mac-Plattform erledigen. Etwas Text tippen hier, etwas Foto bearbeiten dort, ein wenig im Internet surfen dort und ab und an vielleicht mal das eine oder andere Homevideo schneiden. Keine großen Dinge im privaten Alltag. Im beruflichen Umfeld sieht es hier aber schon anders aus und daher sind die Anforderungen in diesem Segment mehr dem Pro-Bereich zuzuschreiben, als es die privaten Anforderungen sind oder wären.

Fragmentiertes Mac-Denken

Jeder Mac-Nutzer ist anders. Allein schon, weil es unterschiedliche Mac-Aufbauten gibt. Viele greifen zum MacBook, um einen Mac für überall mitdabei haben zu können. Portabel, leicht und dennoch für die meisten Aufgaben stark genug. Andere greifen zum iMac. Damit haben sie einen Monitor mit allerlei Hardware darin auf dem Schreibtisch stehen und alles griffbereit, was macOS bietet. Der Mac mini ist hingegen eine Sache für sich, denn man muss seinen eigenen Monitor, eine Tastatur und eine Maus mitbringen.

Der Pro Nutzer greift direkt zu anderen Mitteln, weil er weiß, dass gewisse Standardausstattungen nicht für seine intensive Aufgabenbewältigung ausreicht. Hier kann die Wahl also auf einen iMac Pro oder den Mac Pro ausfallen. Gerade der Mac Pro war immer das große Allheilmittel unter den professionellen Mac-Nutzern. Egal ob höchstauflösende Grafik- bzw. Fotobearbeitung, Videoschnitt und Musikproduktionen mit gefühlt unendlichen Audiospuren.

Der neue Mac Pro 2019

Mit dem neuen Mac Pro 2019 tritt Apple endlich wieder in alte, bekannte und gefestigte Fußspuren. Der Mac Pro 2019 orientiert sich am Design aus 2006 und lässt das System wieder modular wirken. Was einmal gut war, sollte man eben auch so belassen und höchstens verbessern. 2013 ist das mit dem Mac Pro in seinem schwarzen Tonnendesign eher weniger geglückt. Gerade auch, weil man dieses Mac-System nur extern erweitern konnte. Viele Kabel und viele weitere externe Geräte sind da auch aus Platzgründen nicht der beste Lösungsweg gewesen. Mit dem Mac Pro 2019 kann der Nutzer wieder freier entscheiden – schon beim Kauf, aber auch später, wenn er Bauteile im Mac Pro durch neuere Komponenten austauschen möchte.

Endlich wieder ein externes Display von Apple

Apple hat gefühlt schon immer externe Monitore entwickelt und gebaut – oder bauen lassen. Sie waren aber immer das Display, das man an seinem Mac anschließen wollte. Egal, ob als Hauptbildschirm an einem Mac mini und Mac Pro oder als Zweitbildschirm an einem MacBook. Das Cinema Display und das Thunderbolt Display waren sehr lange Zeit ein bekanntes Bild auf privaten, aber auch beruflichen Schreibtischen und gliederten sich auch in die Designsprache Apples perfekt ein. Hübsch, funktionell – einfach passgenau. Das Thunderbolt Display löste das Cinema Display nach langer Zeit ab und auch das Thunderbolt Display ist mittlerweile schon längere Zeit verschwunden. Was viele aber vergessen, ist der Preis, denn dieser war nicht wirklich der günstigste. Ein Thunderbolt Display kostete auch seine 999€ und war damit nicht wirklich ein Schnäppchen.

“Viel zu teuer und unverschämt!”

Mit dem neuen Mac Pro 2019 hat Apple einen Mac für die höchsten Pro-Nutzer auf dem Markt geschaffen. Auch preislich spielt dieser Mac in einer ganz anderen Liga – wäre für den privaten Gebraucht aber definitiv noch käuflich. Auch wenn man den Einstiegspreis von ungefähr 5400€ für sich definitiv rechtfertigen muss. Und wenn da nicht noch die Sache mit dem Display wäre: Denn passend zum neuen Mac Pro hat Apple nun erstmals auch ein Display für den Pro-Sektor vorgestellt. Dieses besticht durch seinen am Mac Pro angelegten Design und seine Flexibilität der Aufstellung und Ausrichtung. Ein Designstück, dass sich dem Mac Pro geradezu hingibt. Doch da wäre nun mal der Preis und dieser beginnt bei ungefähr 4450€. Viel Geld für einen Monitor – auf den ersten Blick zumindest.

Klarheit und Einsicht

Dieser Monitor ist kein gewöhnlicher Monitor, denn er wird nur von den 1% der Kunden genutzt, die auch zu einem Mac Pro greifen würden. Und wieso? Weil er eine Art Kalibriermonitor ist. Monitore dieser Art kosten in der Regal an die 36.000€ und sind für Filmstudios und Co. das Ding der Dinge. Nur so können Farben kalibriert angezeigt und korrigiert werden. Das Apple Pro Display XDR unterstützt nicht nur den normalen HDR-Standard, sondern die erweiterte Variante davon. Im Klartext sind das ein Kontrast­verhältnis von 1.000.000:1, 1000 Nits an durchgehender Helligkeit, 1600 Nits in der Spitzenhelligkeit, 1.073 Milliarden Farben, eine 10-Bit Farbtiefe, eine Betrachtungswinkel von 89% in allen Ausrichtungen und das alles auf einem 32″ LCD-Display mit einer Auflösung von 6016 x 3384 Pixel und einem Format von 16:9. Ein Monster an Display!

Dass das nicht günstig ist, muss man niemandem erklären. Allerdings ist es das Pro-Werkzeug und Arbeit ist nur so gut wie das Werkzeug, das man dafür verwendet oder verwenden kann. Ein Fotograf oder Videoproduzent baut darauf, dass seine Arbeit, mit der er sein Geld verdient, am Ende korrekt beim Kunden abgeliefert werden kann und da ist solch ein Display der am Ende kleinste preisliche Baustein in der Kette. Dass der Monitorfuß nochmals extra ungefähr 888€ kostet, mag einen etwas schocken. Für die 1% im Pro-Sektor ist es aber Kleingeld. Zumal dieser Monitor entweder aufgestellt oder aufgehangen wird. Hängt das Apple Pro Display XDR also von Beginn an an der Wand, wäre ein standardmäßig mitgelieferter Monitorfuß sowieso etwas, das im Karton und auf dem Dachboden oder Keller verschwindet.

Wenn nicht Pro, was ist dann mit den restlichen Mac-Nutzern?

Dass das Apple Pro Display XDR nichts für den normalen Kunden ist, sollte damit klar sein. Es ist ein Monster an Display. Viel zu überdimensioniert – auch natürlich im Preis. Nichts, was ein normaler Nutzer für seine Aufgaben auf dem Schreibtisch stehen haben muss. Doch wenn er dennoch zum Mac Pro 219 greift, weil er die Power benötigt, dann fehlt ihm einfach ein passendes Display. Wäre es nicht also passend, auch ein Apple Pro Display im 1000€-Bereich anzubieten? Wieso also nicht das 27″ Display vom 5K-iMac in eine externes Monitorgebilde gießen und so der unteren Schwelle der Pro-Nutzer ein sehr professionelles, aber nicht überdimensioniertes Display anbieten? Bisher ist davon noch nichts in Sicht. Allerdings denkt Apple in gewissen Punkten heute endlich wieder kundenorientierter und der Aufschrei muss nur etwas lauter sein, damit es auch in den Ohren von Apple landet und Denkphasen in Gang kommen. Der Mac Pro 2019 ist da das beste Beispiel dafür!

Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.

∼ Bertolt Brecht ∼


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