Wahrscheinlich ist die Erfindung des 3D-Drucks eine der größten unserer Zeit. Aus etwas Kunststoff lässt sich dadurch so gut wie alles in Form bringen und dadurch jegliche Idee zum Leben erwecken. Ich selbst bin vor einem Jahr in diese Traumwelt eingestiegen, denn man sollte nie stehen bleiben. Was soll ich sagen? Der Einstieg in den 3D-Druck brachte einige Hürden, viel Learning by Doing und viel Erstauen mit sich. Mit dem Ender 3 von Creality drucke ich seit einem Jahr fertige Vorlagen, aber auch eigens erstellte.

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Einsteiger? Fortgeschrittener? Der Ender 3 von Creality ist etwas für dich.

Nach viel Recherche und einigen Empfehlungen traf ich die Wahl auf den Ender 3 von Creality und kaufte ihn mir online. Als er bei mir zu Hause ankam, erwartete mich ein Bausatz. Im groben ist der 3D-Drucker schon montiert. Allerdings müssen die Gestänge verschraubt und Bauteile daran angebracht werden. Das braucht etwas Zeit und Geduld, wenn man der bebilderten Anleitung folgt. Ich habe zwei Stunden benötigt und das alles an einem ruhigen Samstagmittag vollbracht. Bei der Montage sollte man sich viel Zeit nehmen. Auch sollte man von Anfang an beachten, dass man den Druckersockel auf einer geraden Fläche zusammenschraubt und so eine plane Basis für den Drucker schafft. Hat man alles aufgebaut, geht es auch schon an die erste Kalibrierfahrt. Stecker in die Steckdose, Hauptschalter an und schon bootet die ganze Kiste.

Der Ender 3 arbeitet mit einer Marlin-Firmware. Diese ist komplett in Englisch, so dass man dieser Sprache und der Fachwörter mächtig sein sollte. Keine Panik! Ich wusste an Tag 1 auch nicht alles und habe nach und nach dazugelernt. Auch habe ich einige Dinge nicht gedruckt bekommen. Man muss schlicht Erfahrungen sammeln und es gibt hier kein Allheilmittel und auch keine standardisierte Hilfe von anderen. Jeder macht so seine Erfahrungen und wendet sie dann in seiner Praxis an. Das ist in diesem kreativen Gebiet das höchste Gesetz: Jeder macht sein Ding für sich.

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Dem Kenner wird auffallen, …

… dass dieser Drucker nicht ganz dem Original ähnelt. Und das ist korrekt. Ich habe mir einige Dinge anmontiert. Um genau zu sein, habe ich mir mit dem Drucker Zubehör für den Drucker erstellt. Zum einen habe ich mir selbst eine Abdeckplatte für das Display gedruckt. Dadurch verdunkle ich das Display und es stört in der Nacht nicht. Da „Rudi“ – so habe ich den Ender 3 getauft – aber in der Werkstatt im Keller druckt, kann er hier sowieso so hell und laut sein, wie er will. Vorderseitig habe ich mir einen Arm für die Webcam gedruckt. Auch ein Gehäuse für einen Raspberry Pi habe ich mir gedruckt. Die Kombination aus beidem erlaubt mir das Steuern des Druckers über OctoPi. Der Raspberry Pi ist über USB-A auf mini-USB mit dem Drucker selbst verbunden und kommuniziert dadurch mit dem Gerät.

Das erlaubt das Steuern des Druckers über eine Weboberfläche im lokalen Netzwerk. Man kann so Druckdateien auf den Raspberry Pi laden, Druckvorgänge starten, deren Status überwachen und auch Achsen manuell verfahren. Ich habe meinen Drucker somit immer einmal mit leerer Druckplatte in der Werkstatt stehen. Über eine HomeKit-Steckdose schalte ich ihn ein, wodurch alles bootet. Im Anschluss heize ich Druckbett und Druckdüse vor. Dann einmal X, Y und Z manuell auf den Homepunkt fahren und im Anschluss den Druck starten. Via Webcam kann ich so auch sehen, was passiert. Auf Wunsch wird eine Zeitrafferaufnahme erstellt. Klingt alles nach Hexenwerk, oder? Ist es zu Beginn. Aber dann ist es ganz fabelhaft. OctoPi ist Open Source und kann von jedem einfach und kostenlos eingesetzt werden (⇒LINK).

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Einfacher Einstieg mit steiler Lernkurve.

Wenn man in diese Welt einsteigt, dann fährt man zunächst einmal gegen die Wand. Man setzt dann zurück, schaut sich an, wieso man gecrasht ist und fährt langsamer an die Sache heran. Ich selbst bin mehrere Male gecrasht. Eine verstopfte Druckdüse war dreimal ein Thema, wodurch kein Druck mehr möglich ist. Nachdem ich das alles mehrmals zerlegt und verstanden hatte, ist der Fehler nie mehr aufgetreten. Hier muss man einfach beachten, dass man den Schlauch zur Beförderung des Filaments komplett im Inneren auf den Einwurf der Druckdüse aufsetzt und dann festzieht.

Sollte dies nicht der Fall sein, sitzt der Schlauch nicht bündig auf, ein Spalt ist vorhanden und in diesem staut sich dann Filament und verstopft die Druckdüse. Das sind diese genannten Dinge, die einem niemand sagt und die man erkennen und erlernen muss. Einige raten dazu, die Druckdüse und auch den Extruder (welcher das Filament greift und befördert) durch andere Bauweisen zu ersetzen. Ich habe beides belassen und bin in keine Probleme geraten. Allerdings habe ich den Extruder kalibriert und zwar nach dieser Anleitung (⇒LINK).

Schritt für Schritt!

Man muss wirklich langsam an die Sache herangehen, sich in die Materie fallen lassen und mit Ruhe und Zeit die Dinge verstehen lernen. Ich bin technisch sehr fit, aber selbst ich bin an Punkte geraten, an denen ich erst dreimal um die Ecke denken musste. So habe ich mir mit einem Arduino zum Beispiel die Firmware des Ender 3 geflasht und nutze so eine neue Marlin-Firmware auf dem Drucker. Muss man nicht machen, kann und sollte man aber vielleicht. Lief im ersten Anlauf nach einer Stunde auch. Aber man muss sich Zeit nehmen und mit Ruhe handeln. Ich habe drei Druckbetten aus Glas geschrottet. Einmal durch einen Crash der Z-Achse und zweimal durch zu fest haftende Drucke. Der Fehler ist, dass  Glasdruckbetten schlicht Müll sind.

Egal, was andere euch erzählen, hört nicht darauf und nutzt keine Glasdruckbetten. Ich habe mir ein Kunststoffdruckbett zugelegt und bin seitdem sehr davon begeistert. Zum einen heizt es schneller und gleichmäßiger – in allen Ecken. Außerdem haftet der Druck besser, die untere Planfläche des Drucks ist glatt und sauber und wenn das Objekt fertig gedruckt und das Kunststoffdruckbett komplett abgekühlt sind, lässt sich das Druckobjekt mit nur zwei Fingern vom Druckbett abnehmen. Es braucht keinen Spachtel oder sonstiges Werkzeug.

Ich drucke übrigens nur PLA-Kunststoff mit 1,75 mm Stärke und nutze dafür 210 °C als Drucktemperatur der Druckdüse und 60 °C als Temperatur für das Druckbett. Wenn ihr dieses Druckbett einsetzt, wechselt auch direkt die bestehenden Federn gegen andere aus. Ich nutze die verlinkten, denn diese spannen härter, drücken das Druckbett fester ud dadurch gleichmäßiger nach oben. In der Praxis heißt das, dass das Z-Maß zwischen Druckdüse und Druckbett konstant bleibt und sich nicht verstellen kann. Das Z-Maß ist das wichtigste Maß – aber das werdet ihr entweder schon wissen oder noch als Wissen kennenlernen.

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Es werde Licht!

Apple HomeKit ist ein Thema bei mir. Aus diesem Grund schalte ich den Druck in der Werkstatt ja schon über einen HomeKit-Zwischenstecker ein oder auch aus. Auch eine Steckerleiste wäre in diesem Fall eine Option (⇒LINK). Da der Raspberry Pi etwas Strom braucht und an einem Netzteil mit zwei USB-Ports hängt, hängt am anderen Port ein LED-Streifen mit Apple HomeKit. Exakt dafür habe ich mir aus sechs Einzelteilen einen Rahmen gebaut, in dem der LED-Streifen eingelassen ist. Dadurch kann man im Dunkeln Licht hinzuschalten und sieht so auch via Webcam in der Dunkelheit etwas. 

Ich setzte auf einen LED-Streifen mit Apple HomeKit. Ihr könnt natürlich auch ein anderes Modell bzw. eine andere Variante einsetzen. Das sind so Kniffe, die man sich selbst ausdenkt oder irgendwo im Internet sieht. Dann gilt es kreativ zu werden und Dinge zu versuchen. Ich verlinke euch am Artikelende alle Druckdateien, welche hier im Artikel genannt und aufgeführt werden.

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Sehr guter Einstieg für kleines Geld.

Wenn man von einem 3D-Drucker spricht, denken viele immer an Tausende von Euro, die man dafür in die Hand nehmen muss. Dafür war ich aber nicht bereit und das muss man auch nicht sein. Den Ender 3 von Creality bekommt man für kleines Geld und dafür kommt er mit allem Zubehör ins Haus. Auch Ersatzdruckdüsen sind dabei. Ich habe nur die Druckplatte und die Federn darunter ausgetauscht und ihn mit dem OctoPi und dem schon erwähnten gedrucktem Zubehör etwas ergänzt.

Die Webcam am Raspberry Pi ist übrigens eine Logitech Business Webcam B525. Relativ günstig, läuft ohne Treiberproblem direkt unter Linux und macht ein gutes Bild. Durch die OctoPi-Sache kann ich den Drucker auch via iPhone, iPad und sogar den Apple TV bedienen bzw. einsehen. Doch dazu in einem gesonderten Artikel mehr, den ich dann an dieser Stelle verlinken werde. Der Raspberry Pi sitzt nackt in dem gedruckten Gehäuse. Dieses ist auf dem Aluminiumprofil aufgeschraubt. Hierfür habe ich mir Schrauben und Muttern mit M5-Gewinde besorgt und dafür dann kleine Nutensteine für die Führung gedruckt. So habe ich auch den Beleuchtungsrahmen auf dem Aluminiumprofil aufgeschraubt.

Links zu erwähnten Druckerzeugnissen:

  • Nutensteine für M3-Mutter (⇒LINK)
  • Raspberry Pi Gehäuse (⇒LINK)
  • Kameraarm (⇒LINK)
  • LED-Rahmen (⇒LINK)
  • Luftansaugstutzen für Lüfter (⇒LINK)

Das soll es bis hierhin grob gewesen sein. Wenn ihr Einsteiger seid, dann geht langsam an die Sache heran. Drucke benötigen ihre Zeit. Je besser ein Druck sein soll, je feiner und langsamer druckt man ihn. Druckt Kanten in langsamen Zügen und lasst schnell befüllen. Ich drucke Konturen maximal mit 50 mm/s. Füllen lasse ich mit max. 100 mm/s. Durch diese Kombination werden Kanten detailreich und der Druck in seiner Füllung schnell fertig. Aber das ist nur meine Praxis und ihr solltet das nur als Tipp, Weisheit und etwas Erfahrungswert sehen. Ihr findet eure Dinge ganz alleine heraus.

Ich slice Druckdateien übrigens mit Ultimaker Cura (gibt es kostenlos für macOS, Windows und Linux) – wie wahrscheinlich 99 % all der Menschen da draußen (⇒LINK). Traut euch einfach. Nehmt euch die Zeit, die Geduld und verzweifelt nicht. Auch ich habe mit 0 % Ahnung begonnen und bin heute sehr fit in der Materie. Und nun los: Print the Future!

*verlinkte Produkte zu Onlineshops sind Affiliate-Links

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