Es jährt sich bald, dass ich ein Experiment startete und mittlerweile auch als gescheitert erkläre. Der Versuch war ein iPad Pro mit Magic Keyboard als Ersatz für ein MacBook einzusetzen und somit vor allem unterwegs Dinge schreiben und wegarbeiten zu können (⇒LINK). Dachte ich zumindest, denn das iPad Pro ist zu viel aus beiden Welten. Es findet sich wenig Einheit und daher ist die Frage, ob und wie so ein Touchscreen-Mac überhaupt Sinn ergeben würde.

Der-Touchscreen-Mac-scaled Der Touchscreen-Mac

Diese Kolumne ist auch als Podcast verfügbar.

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Touch Me!

Das iPad Pro 2020 ist immer noch ein kleines Rechenmonster, wenn man sich seinen dünnen Formfaktor und all die verbaute Technik darin näher betrachtet und auch hinterfragt. Ich meine, da steckt einfach nur viel Akku und ein kleines Mainboard in einem Aluminiumgehäuse, welches von einem hochaufgelösten Display abgedeckt wird. USB-C dient zur Stromversorgung und für den Anschluss von externen Geräten – in meinem Fall alle zwei Wochen ein Mikrofon, um den Podcast für diese Kolumnen zu produzieren. Der Apple Pencil 2 wird zum Aufladen an der Kante des iPad Pro magnetisch angeheftet und findet so auch einfach und sicher einen Platz zum Weglegen. Das war es auch schon. Einfach. Simpel. Verständlich.

Doch hinter all dem ist es die Software, an der es immer noch hapert. Auch aus diesem Grund ist das iPad Pro mit Magic Keyboard kein Mac-Ersatz für unterwegs geworden. Ich arbeite mittlerweile mit einem MacBook Air mit M1-Prozessor. Vergleicht man diese beiden Welten nun direkt miteinander, ist es fast nur das Betriebssystem, das den Unterschied macht. iPadOS gliedert sich zwar mittlerweile namenstechnisch komplett vom iPhoneOS von iOS des iPhone ab, ist genauer betrachtet aber immer noch ein großes iPhone im allgemeinen Sinne. Die Sprünge sind bei iPadOS leider noch viel zu klein, als dass es macOS groß das Wasser reichen könnte. Und das ist nur meine Beobachtung und meine Meinung nach vielen Testphasen zwischen Geräten und ihrer App-Plattform.

Mac gegen iPad

Ein MacBook Air mit M1-Prozessor ist mehr oder weniger ein iPad Pro mit Magic Keyboard. Mittlerweile könnte man aber auch das iPad Air mit Magic Keyboard hier einsetzen. Ein Display seht im Querformat vor dir. Davor eine Tastatur im Volllayout. Das iPad bedient sich aus dem AppStore, wo es wirklich etliche Apps nur für diesen Anwendungsfall gibt. Der Mac macht hier die gleichen Dinge, kann aber auch Software außerhalb des Mac AppStore installieren. In beiden Fällen befüllt man sich den aufgeklappten Computer also ein wenig anders mit Software. Der Unterschied ist, dass das iPad zwei Welten bedient oder viel mehr bedienen möchte.

Es fungiert in vielen Fällen als reines Tablet. Ich bearbeite so zum Beispiel mit dem Apple Pencil 90 % alle Bilder für diesen Blog hier auf dem iPad Pro und exportiere sie dann auf den Mac. Es sind somit reine Touchscreenaufgaben, für die man das iPad dann allerdings von seiner physischen Tastatur lösen muss. Wieder daran angeheftet, ahmt es die Bedienung eines klassischen MacBooks nach – und das macht es sinnbildlich wirklich perfekt. Allerdings erwischt man sich durchgehend dabei, dass man nach vorne auf das Touchdisplay langt, statt das Trackpad des Magic Keyboards zu nutzen. In meiner Praxis habe ich mich immer wieder beobachten können, dass ich Apps mit dem Finger auf dem Display antippe, statt diese mit dem Mauscursor zu öffnen.

Genau hier sehe ich das Problem an dem Thema eines Touchscreen-Mac

Es ist nicht so, als hätten es andere nicht schon vorgemacht. Microsoft zeigte schon vor Jahren mit seinem Surface Studio, dass ein großes Display auch auf dem Schreibtisch gekippt werden kann und somit zu einem riesigen Zeichenbrett wird. Das mag in ganz bestimmten Dingen eine ganze tolle Sache sein, wird aber kaum angenommen und ist daher zu 99 % auch nie in der Praxis zu sehen. Allein schon, weil die Software dafür angepasst werden müsste. Und bis Adobe Software anpasst, vergehen gerne Jahre. Bis heute gibt es kein vollwertiges Adobe PhotoShop für das iPad Pro. Doch ich schweife ab.

Sitzt man vor einem Mac, dann sind Maus und Tastatur die einzigen Eingabequellen – und das hat bisher mehr als gut funktioniert, auch wenn ich die Touchbar hier immer noch als Fremdkörper empfinde. Ich bin unsicher, ob Apple selbst viel von ihr hält oder auf sie setzt. Zumindest hat sich seit 2015 nichts an ihr weiterentwickelt – auch im Softwaresinne nicht. Aber es ist ein Punkt, an dem man am Mac mit einem Touchscreen in Berührung kommt. 50 % mögen dies, 50 % lehnen es ab. Ich persönlich finde das Tippen und Wischen auf einer Touchbar oberhalb einer Tastatur komplett fremd. Es ist wie das Tippen auf das iPad-Display mit dem Finger, obwohl man vor sich doch ein Trackpad besitzt. Ein Touchscreen-Mac – ich sehe ihn irgendwie nicht.

Wenn ich mir eure Meinungen zu dem Thema Touchscreen-Mac betrachte, dann seid ihr genauso gespalten zwischen “Ja” und “Nein”. Allgemein ist es aber eher eine Ablehnung gegenüber einem Touchscreen-Mac. Die nächste Frage bzw. die nächsten Fragen wären, was der Sinn wäre, wenn das Display eines Mac auch auf Toucheingaben reagieren würde. Zum einen würde das Display nach kurzer Zeit einfach nur verschmiert wirken. An einem iPad Pro mit Magic Keyboard schaut man daher immer auf ein exakt solches Display. Denn klar, es ermöglicht dafür auch beide Welten.

Viele Notebookhersteller haben sich in Notebooks mit Touchdisplay schon probiert, …

… vor allem Microsoft. Das Problem ist in diesen Dingen schlicht immer das Anwendungsgebiet, denn dieses gibt es in diesem Sektor zu 99 % nicht. Und nur weil 1 % etwas gerne in einer Art nutzen würde, mag dies auf Dauer sicherlich nicht für alle der korrekte Weg sein. Man merkt am Mac mit M1-Prozessor nämlich auch das Problem auf der anderen Seite. Installierte iPad-Apps auf solch einem Mac wirken oft falsch, da sie für ein großes Touchdisplay gedacht und konzipiert wurden. Ein Display, auf dem sich solch eine App frei entfaltet und anpasst. Auf dem Mac können diese in ihrer Fenstergröße geändert werden und allein das wirkt schon falsch. Auch wenn sie weitestgehend problemlos laufen, sie sind keine wirkliche Mac-Apps.

Wann ein Touchscreen-Mac also wirklich Sinn machen würde, muss jeder für sich beantworten. Apple selbst hat zumindest mehr als nur einmal dementiert, dass es so etwas bald gäbe. In diesem Sinne bin ich weiter auf die zwei unterschiedlichen Wege von Mac und iPad und deren Softwareplattformen gespannt. Wie die App-Welt miteinander verschmilzt und was mehr Akzeptanz finden wird: Ein iPad Pro mit Touchscreen oder eben eines ohne.

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.

∼ Mahatma Gandhi – indischer Rechtsanwalt, Publizist und Morallehrer ∼

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