Diese Kolumne ist auch als kostenloser Podcast verfügbar.

Die Kommunikation ist eine mehr oder weniger unbedachte Tagesaufgabe des Menschen. Er lebt schlicht von der Weitergabe an Informationen aber auch von dem Erhalt dieser. Dabei gibt es wenige Abhängigkeiten, denn der Informationsfluss ist heutzutage selten an eine Zeit oder einen Ort gebunden – gerade weil der größte Teil davon in digitaler Form passiert. Der zwischenmenschliche Umgang findet heute auf einem ganz anderen Level der Interaktion statt. Schnell eine Textnachricht hier und schnell eine Sprachnachricht dort. Und manchmal ist die Antwort auf etwas oft auch einfach nur ein Bild – wir reden in Smileys.

Die Sprache ist ein komplexes System der Kommunikation und allgemein betrachtet vielleicht sogar die größte Errungenschaft der Menschheit überhaupt. Vor ihr verständigten sich einzelne Menschen, aber auch ganze Völker, meist nur mit Zeichen untereinander – die Körpersprache. Der heutige Homo sapiens beherrscht in der Regel aber eine Lautsprache. Diejenige mit der er aufwächst, wird auch Muttersprache genannt. Dennoch kann der Mensch auch heute noch seine Information in akustischer und optischer Form übergeben und damit auch Barrieren überwinden – zum Beispiel durch die Gebärdensprache. Die Sprache ansich entwickelte sich im Laufe der menschlichen Evolution und dabei entstanden unabhängig voneinander und auf der ganzen Welt verstreut die unterschiedlichsten Spracharten. Die Körpersprache ist eine nicht wirklich einfache Sprache, kann aber dennoch in unterschiedlichster Form und vor allem von jedem Menschen gesprochen werden. Und das kennt jeder, der sich schon einmal in einem für sich sprachfremden Land mit Hand- und Fußzeichen verständigen musste. Körperliches Deuten und Aufzeigen von Objekten oder Sachverhalten wurde schon in den Anfangstagen des Homo sapiens zur Verständigung genutzt – vor allem lautlos auf der Jagd. Heute sind Jäger lauter geworden und verständigen uns entwickelt und zivilisiert – der eine mehr, der andere weniger. Dennoch nutzen wir auch heute noch Zeichen, also mehr oder weniger die Körpersprache, um uns auszudrücken.

Neben der Verständigung in einer konstruierten Sprache, findet ein Großteil unserer Kommunikation heute in Textform statt. Unser Smartphone ist unser täglicher Begleiter und ohne es sehen wir in vielen Tagessituationen oft ziemlich als aus – wodurch wir eine gewisse Smartphonebindung besitzen (Link zu dieser Kolumnenthematik). Wir rufen uns entweder an und sprechen mit unserer für den am anderen Ende der Leitung ebenfalls verständlichen Sprache oder wir setzen unsere Gedanken in einer Sprachnachricht ab und senden diese dem Chatpartner zu. Das wirkt etwas wie das Aufsprechen einer Nachricht auf einen Anrufbeantworter der 90er Jahre, erfüllt heute aber absolut seinen Zweck und lässt Schreib- und Tippfaule schnell und einfach ihre Gedanken, Meinungen und Sichtweisen mitteilen, denn bei der gesprochenen Sprache kann die Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion absolut missachtet werden. Für die Kommunikation in Textform tippen wir unsere Nachricht entweder auf einem berührungsempfindlichen Display oder schlagen eine Hardwaretastatur auf dem Computer an. So oder so finden die Gedanken ihren Weg in Form von Buchstaben Platz auf einem Display. Dabei unterstützt uns jedes System, mehr oder weniger gut, in dem es die getippten Wörter auf Schreibfehler und ganze Sätze auf Grammatikfehler überprüft. So gut ein Computer das in den unzähligen Sprachen heute beherrscht. Prinzipiell schalten die meisten Nutzer in dieser Form der Kommunikation heute schlicht komplett ab, denn wieso sollte Rechtschreibung und Grammatik auch eine Rolle spielen. Der andere wird schon verstehen was man meint. Leider ist das die Tagesordnung und zu sehen ist sie permanent und überall. Egal ob auf sozialen Plattformen, Foren oder privaten Chatverläufen – der Mensch tippt ohne Gnade sowie Punkt und Komma drauf los.

Na gut. Es gibt solche und solche, aber in der breiten Masse lässt sich schon das Bild von großer Rechtschreib- und Grammatikschwäche erkennen. Die Interpunktion an diesem Punkt einfach mal in den Hintergrund gerückt. Ein falsches Komma hier und ein falsches Komma da, das kann man schon mal verzeihen. Und wenn man sich nicht sicher ist, na dann lässt man ein Komma halt einfach mal weg – es gibt wirklich schlimmere Dinge. Doch Rechtschreibung und Grammatik sind wirkliche Säulen der Sprache in Textform und sollten beherrscht werden. Zumal es unter gewissen Gruppen von Menschen auch einen gewissen Eindruck von Bildung vermittelt. Wenn Unterhaltungspartner wissen sich korrekt auszudrücken, dann spiegelt das auch eine gewisse Anerkennung von Intelligenz wieder – ganz im automatischen Sinne sogar. Und das tun viele leider nicht. Ja, ja, wir tun dies und tun das und vor allem tun wir immer irgendwas. Verben sind schon eine feine Sache, oder? Wenn man sie kennt! Ich selbst bin mit Sicherheit auch ein hochgebildeter und allwissender Gelehrter und mache mit Sicherheit hier und da meine Fehler, aber in der Schule lernt man ansich schon, dass die Sprache in Schriftform eine Bildung fürs Lebens ist und schlicht beherrscht werden sollte. Gerade auch weil es den eigenen sozialen Standpunkt in der Menschenmasse vermittelt und einen als Mensch auch in ein gesondertes Licht rückt. Klingt überheblich, ist es mit etwas Weitsicht aber absolut nicht. Und hier würden mir gerade sicher auch etliche Lyriker und Dichter zustimmen.

Schreibschwäche ist einmal ein Problem für sich aber auch eine gewisse Faulheit. Wir tippen heute einfach drauf los, ohne uns Gedanken über die getippten Buchstaben, Wörter und Sätze zu machen. Wieso auch einen Punkt setzen, wenn man doch alles kleingeschrieben und in einen ewig langen Satz packen kann. Und hier sind Regeln des Zusammen- und Auseinanderschreibens noch gar nicht bedacht. Eine in dieser Form erstellte Information kommt beim Empfänger in einer ganz anderen Form an und wird dann meistens auch missverstanden. So kann ein falscher Satzbau manchmal schon einen schriftlichen Streit hervorrufen. Gut, dass man sich mit Bildern in Form von Smilies ausdrücken aber auch rechtfertigen kann.

Das Smiley ansich wurde 1963 von Harvey Ball erfunden. Dabei zeichnete der Inhaber einer Werbeagentur zwei Punkte mit einem drunterliegendem Bogen auf ein gelbes Blatt Papier. Ein Smiley wird heute auch gerne als Synonym für Emoticon benutzt, was leider komplett falsch ist. Denn ein Emoticon ist eine auf Schriftzeichen basierende Darstellung, das Smiley allerdings ein grafisches Objekt. Das elektronische Smiley, in diesem Fall auch genannt “Emoticon”, besteht aus ASCII-Zeichen und kann so in allen Nachrichtenformen verwendet werden. Die einfache Auswahl und Zusammensetzung von nur drei Satzzeichen deuten nach links gekippte Gesichter an, die fröhlich oder traurig aussehen. Diese Grundformen für positive und negative Gefühle wurden am 19. September 1982 vom späteren Informatikprofessor Scott E. Fahlman vorgeschlagen, der damit als Erfinder der elektronischen Smileys gilt. Seitdem existieren in Unicode Zeichen zur Darstellung von Gesichtsausdrücken. Die heute in Textnachrichten benutzten Smileys sind somit keine grafischen Objekte, sondern ein Zugriff auf den in Unicode verankerten Smileyblock. Dieser beinhaltet eine Sammlung von Emoticons. Wir nutzen im Alltagsgebrauch aber eher Emojis. Dieser Begriff stammt aus Japan, da auch hier an einer Ausdrucksweise in Objektform probiert wurde – allerdings schon ab einer Zeit von 1883. Emojis sind, anders als Emoticons, keine Auswahl von Satzzeichen, sondern fertige Objekte in Bildform. Anders als Emoticons, können Emojis jegliche Art von Motiv sein und somit nicht nur Gesichtsmimiken, sondern auch Gegenstände beschreiben bzw. visualisieren. Das Emoji unterliegt weltweit dem Emoji-Unicode, worin alle Motive durch ein Konsortium aufgenommen und deren Sinnhaftigkeit, vor der Aufnahme im Unicode, im Vorfeld beurteilt werden.

Wir drücken uns gerne aus und möchten dies weitgehendst auch richtig vollbringen. Sprich, wir wollen mit unserer Meinung und Aussage korrekt beim Gegenüber ankommen. Das kann einmal in reiner Textform passieren, die, wenn man sie beherrscht, durch den Satzbau schon eine Meinung und Aussage unterschiedlich übermitteln kann. Und als Anhängsel kann ein Emoji dahinter die Stimmung der Aussage ausdrücken. Tut uns also etwas leid, dann unterstreicht ein trauriges Emoticon hinter dem Entschuldigungstext die Aussage nochmals und verstärkt damit auch zeitgleich die Deutung aber auch die Empfindung auf der Empfängerseite auf psychologischer Ebene. Das geht heute teilweise soweit, dass wir uns manchmal auch über Gesprächspartner wundern, die plötzlich oder ungern Emojis benutzen und wir in diesem Zusammenhang auch gerne ein Desinteresse an der Kommunikation assoziieren – was oft stimmen kann, aber generell eher ein Kopfkino sein mag. Emojis sind heute eine wichtige Aussagekraft in der digitalen Kommunikation geworden, denn sie drücken die Empfindungen und die Art der Ausdrucksweise aus. Das macht manchen Satz leichter nachvollziehbar, denn der Ton macht bekanntlich die Musik und dieser fehlt bei reinem Text nun einmal komplett. Ein Emoji kann daher auch gut und gerne als Mimik des Verfassers betrachtet werden, die er beim lauten Vorlesen des Textes aufzeigen würde. Gerade die menschliche Gesichtsmimik hat sich Apple als Grundlage für eine neue und digitale Ausdrucksweise zum Vorbild genommen. Die Technologie hinter Face ID im iPhone X dient in diesem Fall nicht nur zum Entsperren des Gerätes selbst, sie kann auch die Mimik und deren Veränderungen erkennen und sie auf ein animiertes Emoji übertragen – das Animoji.

Unsere Gesichtsmimik drückt in einem persönlichen Gespräch die Stimmung der Aussagen aus, aber auch die Bedeutung und die Hintergründe dieser. Das Emoji soll diese Deutung in digitaler Form aufzeigen. Das Animoji lässt beide Welten miteinander verschmelzen, in dem die Gesichtsmimik auf ein Emoji übertragen wird, wodurch es animiert abläuft. Nicht nur, dass die Bewegung des iPhone-Nutzers auf das Objekt übertragen wird, auch die Stimme dafür. So wird das gesprochene Wort, das zuvor vielleicht in einer klassischen Sprachnachricht gelandet wäre, aufgezeichnet und relativ lippen- und bewegungssynchron auf das Emoji übertragen. Eine sehr amüsante Weise der Kommunikation und Ausdrucksweise. Doch egal welche Emojiart man auch nutzt, am Ende verliert man sich in der digitalen Umgebung immer wieder in der Textform wieder. Diese ist und sollte die wirkliche Kommunikationssprache sein, wenn es um den Chat geht. Emojis und Co. sollten schlicht ein Hilfsmittel dieser Ausdrucksweise sein und eine Deutung der Meinung nochmals objektiv unterstreichen. Sie sollten allerdings nicht, wie es oft zu beobachten ist, die reine Kommunikationsart sein. So gilt ein einzelnes Emoji nicht als wirkliche Antwort auf eine Frage des anderen Chatteilnehmers. Auch in der realen Kommunikation folgt auf einen Sachverhalt nicht nur ein Grinsen oder Lachen, sondern im Anschluss eine weitere Reaktion als Antrieb der Unterhaltung. Wenn wir heute also eine Unterhaltung in Textform führen, dann sollten wir bedenken, dass stehende oder animierte Motive kein Garant für einen Kommunikationsantrieb auf beiden Seiten darstellen, sondern die Mischung aus beiden den Erfolg und Mehrwert bringt. Man sollte immer Kind bleiben und experimentieren, aber niemals grundlegende Dinge und Regeln vergessen zu berücksichtigen. Denn wer möchte auf Dauer schon mit einem scheinbaren Legastheniker schreiben?

Die Gleichgültigkeit ist eine Lähmung der Seele, ein vorzeitiger Tod.

∼ Anton Pawlowitsch Tschechow ∼


Dir hat dieser Artikel gefallen? Dann würde ich mich über eine Unterstützung via PayPal sehr freuen.