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Vor wenigen Wochen war die Geschichte noch relativ einfach erzählt: Apple möchte seine neue, deutlich intelligentere Siri in Europa anbieten, darf es aber angeblich nicht. Die Europäische Union möchte wiederum dafür sorgen, dass Apple sein Betriebssystem auch für andere KI-Assistenten öffnet und sich nicht selbst bevorzugt. Apple sagt, diese Öffnung gefährde die Sicherheit persönlicher Daten. Die EU sagt, Apple nutze das Argument der Sicherheit, um die Kontrolle über das iPhone zu behalten. Nun wurden die Karten allerdings neu gemischt.

Siri-AI-der-DMA-und-wir-in-der-EU-eine-niemals-endende-Geschichte Siri AI, der DMA und wir in der EU – Riskante Forderungen in Anbetracht von Vorwürfen

Apple geht derzeit juristisch gegen OpenAI …

… und ehemalige Apple-Mitarbeiter vor. Der Vorwurf: Beschäftigte könnten beim Wechsel zu OpenAI vertrauliche Informationen und Geschäftsgeheimnisse aus Cupertino mitgenommen haben. Rund 40 frühere Mitarbeiter sollen deshalb dazu aufgefordert worden sein, Dokumente, E-Mails, Chatverläufe und weitere Kommunikationsdaten für ein mögliches Gerichtsverfahren aufzubewahren. Ob sich die Vorwürfe am Ende bestätigen, muss natürlich ein Gericht klären. Dennoch zeigt dieser Fall etwas, das in der Diskussion um Siri AI und den Digital Markets Act bislang ein wenig zu kurz gekommen ist: Daten, Wissen und technische Geheimnisse bleiben nicht automatisch geschützt, nur weil ein großes und bekanntes Unternehmen auf der anderen Seite steht.

Menschen wechseln ihre Arbeitgeber. Informationen werden kopiert, weitergegeben oder versehentlich mitgenommen. Unternehmen verfolgen unterschiedliche Interessen. Und sobald Daten das kontrollierte System eines Anbieters verlassen, kann dieser Anbieter kaum noch garantieren, was danach mit ihnen geschieht. Genau hier wird es für uns Nutzer interessant.

MagSafe-Apple-Watch-Ladepunkt Siri AI, der DMA und wir in der EU – Riskante Forderungen in Anbetracht von Vorwürfen

Die EU möchte, …

… dass alternative KI-Assistenten auf dem iPhone grundsätzlich ähnliche Möglichkeiten erhalten können wie Apples eigene Siri. Das klingt zunächst fair. Wettbewerb ist wichtig, und Apple sollte seine Marktmacht nicht dazu verwenden dürfen, andere Anbieter prinzipiell auszusperren. Niemand möchte ein digitales Monopol, bei dem ausschließlich Apple entscheidet, welche Dienste wir verwenden dürfen.

Ein moderner KI-Assistent ist allerdings keine gewöhnliche App. Er soll Nachrichten verstehen, Termine verwalten, Fotos durchsuchen, E-Mails zusammenfassen, Kontakte erkennen und Aktionen in anderen Apps ausführen. Damit er wirklich hilfreich sein kann, benötigt er Zugriff auf sehr persönliche Bereiche unseres digitalen Lebens. Öffnet Apple diese Bereiche für andere Anbieter, liegen die betreffenden Informationen nicht mehr ausschließlich in Apples Hand. Je nach technischer Umsetzung könnten Inhalte verarbeitet, übertragen oder auf Servern eines Drittanbieters ausgewertet werden. Apple könnte zwar Regeln aufstellen und Schnittstellen absichern. Vollständig kontrollieren könnte das Unternehmen aber nicht mehr, wie ein externer Anbieter intern arbeitet, welche Mitarbeiter Zugriff besitzen oder ob Informationen an unerwünschter Stelle landen.

Der aktuelle Rechtsstreit zwischen Apple und OpenAI beweist nicht, …

… dass OpenAI persönliche Daten von iPhone-Nutzern stehlen würde. Das sollte man klar auseinanderhalten. Es geht um mutmaßlich entwendete Geschäftsgeheimnisse und Informationen aus der Produktentwicklung. Der Fall zeigt jedoch, wie schnell selbst zwischen zwei der mächtigsten Technologiekonzerne der Welt die Kontrolle über sensible Informationen zum Streitpunkt werden kann. Wenn bereits streng geschützte Unternehmensgeheimnisse möglicherweise durch Mitarbeiterwechsel aus einem Konzern herausgetragen werden können, sollten wir zumindest darüber nachdenken, wie verletzlich persönliche Nutzerdaten sein können. Fotos, private Nachrichten, Gesundheitsinformationen, Standorte, Passwörter, Kontakte und persönliche Dokumente sind für uns schließlich mindestens genauso sensibel wie interne Entwicklungsunterlagen für einen Konzern.

Die Forderung, Apple müsse sein System einfach für jeden Assistenten öffnen, ist deshalb zu kurz gedacht. Offenheit allein ist noch kein Verbraucherschutz. Wettbewerb allein garantiert keine Sicherheit. Und eine Zustimmung in irgendeinem Dialogfenster bedeutet nicht, dass ein Nutzer die tatsächlichen Folgen überblicken kann. Natürlich darf Apple das Thema Datenschutz nicht als universelle Ausrede verwenden. Der Konzern hat oft genug gezeigt, dass er Sicherheitsargumente auch dann hervorholt, wenn es eigentlich um Kontrolle, Gebühren und Marktmacht geht. Apple verdient an einem geschlossenen Ökosystem und möchte selbstverständlich bestimmen, was auf dem iPhone geschieht. Diese wirtschaftlichen Interessen verschwinden nicht, nur weil das Unternehmen von Privatsphäre spricht.

Apple-Siri-Remote-Halterung-Banner Siri AI, der DMA und wir in der EU – Riskante Forderungen in Anbetracht von Vorwürfen

Gleichzeitig wäre es fahrlässig, …

… Apples Bedenken grundsätzlich als vorgeschoben abzutun. Die EU trägt ebenfalls Verantwortung. Sie darf nicht nur verlangen, dass Schnittstellen geöffnet werden. Sie muss auch festlegen, wer darauf zugreifen darf, welche Daten das betrifft, wo diese verarbeitet werden und was passiert, wenn ein Anbieter gegen die Regeln verstößt. Vor allem muss geklärt werden, wie verhindert wird, dass eine externe KI mehr Informationen erhält, als sie für eine konkrete Aufgabe benötigt. Vielleicht braucht es tatsächlich einen kontrollierten Vermittler im System. Vielleicht muss jeder Zugriff einzeln bestätigt werden. Eventuell dürfen bestimmte Daten das Gerät grundsätzlich nicht verlassen. Und vielleicht muss ein KI-Anbieter nachweisen, dass er technisch und organisatorisch in der Lage ist, mit derart sensiblen Informationen umzugehen.

Das dauert länger und ist weniger spektakulär als die Forderung, Apple müsse sich endlich öffnen. Es wäre aber ehrlicher gegenüber den Nutzern. Wir sollten Siri AI in Europa bekommen. Wir sollten auswählen können, welchen Assistenten wir verwenden. Aber wir sollten nicht den Fehler machen, Wahlfreiheit automatisch mit Sicherheit gleichzusetzen. Denn sobald unsere Daten Apples geschützten Bereich verlassen, reicht es nicht mehr, Apple zur Verantwortung zu ziehen. Dann müssen wir auch darauf vertrauen, dass jeder beteiligte KI-Anbieter, jeder Server und jeder Mitarbeiter verantwortungsvoll damit umgeht.

Der aktuelle Streit zeigt, …

… wie zerbrechlich dieses Vertrauen sein kann. Vielleicht ist das Warten auf Siri AI deshalb nicht nur eine ärgerliche Folge europäischer Regulierung. Vielleicht ist es auch eine notwendige Pause, in der Apple und die EU endlich klären müssen, wie Offenheit funktionieren kann, ohne dass am Ende wir Nutzer den Preis dafür bezahlen.

Nicht die Technik um uns herum lässt uns zu rationalen Menschen entwickeln, sondern eher die Unfähigkeit zu träumen.

∼ Damaris Wieser – deutsche Lyrikerin und Dichterin ∼

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