matthiaspetrat_2015-Aug.-24-e1440712347253 Die Zukunft des MacBook

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Der Mac besticht seit vielen Jahren durch seine zielstrebige Designsprache und klare Leitlinie im Umgang mit Software und Hardware. Der Computer, wie ihn Apple immer sah, wurde stetig verfeinert, neu erdacht oder radikal geändert. Heute ist ein Computer so leistungsfähig, dass wir ihn sogar in der Hosentasche tragen und damit viele Desktoparbeiten erledigen. Doch neben dem iPhone und dem iPad ist der Mac immer noch der klassische Desktoprechner, welcher dennoch nicht als grauer Kasten unter dem Schreibtisch abgestellt wird. Das MacBook aus der Mac-Familie ist seit vielen Jahren der unangefochtene Computer im Bereich mobiler Rechner und damit die Designvorgabe für einen ganzen Industriezweig. In dieser Produktlinie wechselten fast jährlich die Hardwarekomponenten, die das Gerät leistungsfähiger, stabiler und zeitgleich noch mobiler machten.

1989 machte sich der Macintosh Portable breit. Ein Gerät das einen Prozessor von Motorola besaß, durch sein Gewicht von 7,2 kg extrem schwer war, absolut unhandlich wirkte und zugleich die hohe Kaufsumme von 6500 US-Dollar forderte. Kein Wunder, dass dieses Gerät schnell vom Markt verschwand. Das PowerBook sollte ab 1991 alles besser machen und die tiefen Falten aus dieser Produktkategorie herausbügeln. Dieser tragbare Computer mauserte sich über die Jahre hinweg von einem schwarzen und aus Kunststoff bestehenden, über ein weißes und aus Kunststoff bestehenden bis hin zu einem aus Aluminum gefertigten Endprodukt – und von 12 Zoll bis 17 Zoll war alles vertreten. Der Kunde konnte sich über Jahre hinweg für sein passendes Modell entscheiden, denn die Produktpalette war so groß, dass sie prinzipiell nur noch verwirrte. 1999 wollte Apple genau diesen Punkt angreifen und alles wieder in eine Linie bringen. Das iBook war für den Konsumermarkt zugeschnitten und glänzte im Anfangsstadium durch ein rundliches Kunststoffdesign. Heute erinnert nur noch Apples hauseigener Bücher-Store an das einstige Hardwaregerät. 2006 war allerdings Schluss mit den Klapprechnern und das erste MacBook Pro löste die iBook-Reihe ab.

Mit dem MacBook Pro setzte Apple dem Gerät imaginär einen bestimmten Titel auf, in dem sie den Zusatz „Pro“ anbrachten. Dieser Aspekt sollte klar machen, dass der Mac nicht nur ein Konsumerprodukt sondern auch ein Endgerät für professionelle Aufgaben ist. Diese Zusatzschmückung wiederholte Apple in 2015 erneut mit dem iPad Pro. Das MacBook Pro bestach bis 2008 weiterhin aus einem weißen Kunststoffgehäuse. Erst 2009 wurde das Unibodygehäuse aus Aluminium eingeführt. Dieses erlaubte das platzsparende Verbauen von Komponenten, zeitgleiche Ableiten von entstandener Wärme und schmückte das Gerät ebenso mit einer ganz bestimmten Designnote, die sich sehr als Vorlage eines Notebookdesign in die Köpfe eingebrannt hat.

Der wirklich große und bis heute zeitgleich unbemerkte Wendepunkt vollzog sich aber in 2008. Das MacBook Air machte den Mac zu einem Glanzstück der Mobilität. Der Computer mit 11″-Display passte in jede Tasche und war somit immer und überall einsetzbar. Was damals noch durch eine drehende Festplatte umgesetzt wurde, tauschte Apple 2010 dann standardmäßig durch einen Flashspeicher aus. 2012 erreichte das MacBook Pro Retina den Endkunden und setzte als erstes Mac-Gerät auf ein Retinadisplay. Heute ist solch ein hochauflösendes Display der nicht mehr wegzudenkende Standard bei jedem neuen Mac – auch beim iMac. Mit dem MacBook Pro Retina setzt Apple dem Kunden zwei Displaygrößen vor – 13“ und 15“. Daneben platzierte der Hersteller ein MacBook Air mit einer Displaygröße von 11“ und 13“. Die Mobilität wurde damit auf einen breit gefächerten und dennoch unterschiedlichen Nenner gesetzt.

2015 änderten sich sehr grundlegende Dinge in der MacBook-Reihe, denn im März des Jahres zeigte ein neues Mac-Modell ganz klar auf, dass das MacBook wie wir es kennen eine ganz bestimmte Entwicklung erwartet und die Zukunft auf Portabilität und Mobilität fokussiert ist. Das 12“ MacBook besticht durch ein ultradünnes Hardwaredesign, das zeitgleich lüfterlos konzipiert wurde. Ein Mac passt heute somit in eine Umhängetasche und hat dennoch die nötige Rechenkraft, um dem durchschnittlichen Kunden alle nötigen Aufgaben selbstsicher abnehmen zu können. Apples Designsprache wird mit diesem Mac-Modell radikal, denn das Design ändert zeitgleich auch die Aussprache und Denkweise von Technologie.

Was früher viele unterschiedliche Anschlüsse und ein DVD-Laufwerk waren, ist heute meist drahtlos zu absolvieren. Ein Mac braucht heute in den wirklich seltensten Fällen noch ein Laufwerk für drehende Datenscheiben, denn Software und andere Daten können Online erworben werden und abgelegt bzw. ausgetauscht werden. Apple entfernte dieses Laufwerk konsequent aus allen MacBook-Modellen und dieser damalige Wandel zeigt heute ganz deutlich, dass man auf das richtige Pferd setzte und die Datenscheibe zielstrebig und erfolgreich obsolet machte. Auch die Peripherieanschlüsse änderten sich radikal. Einen FireWire- oder Ethernetanschluss kennt ein mobiler Mac heute nicht mehr, denn er wählt sich drahtlos in ein Netzwerk ein. Was früher noch von Steve Jobs mit einem Hula-Hoop-Reifen auf charmante Art erklärt wurde, ist heute ein gewohnter und selbstverständlicher Standard. An einem MacBook hängen unterwegs keine Kabel mehr.

Das MacBook erwartet eine sehr aufregende und zeitgleich radikale Zukunft, denn es wird sich nicht einfach ändern sondern transformieren. Der Anfang dieses Wandels zeigte das 12“ MacBook, welches durch sein Design und seine verbaute Technik fast schon als Hosentaschen-Computer betitelt werden könnte. Für diesen Sprung sind neue Technologieerrungenschaften von nöten. Im neuen Leichtbau des MacBook ist alles auf einen Anschluss fixiert, jeder Millimeter im Unibodygehäuse für den Verbau von genug Akkukapazität ausgelastet und ein Mainbord heute so klein, dass alle Komponenten im Gesamtpaket auf die Gerätegröße eines iPhone 6s kommen. USB-Typ-C ist hier ganz klar der neue, beste, schnellste und einfachste Anschluss neben dem Lightninganschluss. Dieser Formfaktor erlaubt sogar, dass dieser Anschluss auf zwei Spezifikationen hören kann – USB und Thunderbolt. Künftig wird ein MacBook also mit großer Sicherheit nur noch mit diesem Anschluss bzw. mehrerer dieser Art bestückt sein und somit mehr Aufgabengebiete ableisten können – kein Sammelsurium an den unterschiedlichsten Kabelarten mehr. Dem 12“ MacBook ist ein USB-Typ-C-Anschluss ausreichend. Auch wenn viele Nutzer einen zweiten herbeisehnen – dieser Mac ist für einen ganz gezielten Einsatz konzipiert worden und daher ist ein Anschluss die absolut richtige Vorgabe für ein Gerät dieser Art.

Das MacBook Pro, das lässt schon der Name erkennen, setzt hier auf ein ganz anderes Ziel und hat natürlich mehr und ebenfalls andere Anschlüsse zu bieten. Weiterhin vertreten sein wird hier der SD-Kartenleser, um allein schon die Fotografie weiterhin professionell zu unterstützen. Allerdings ist der MagSafe-Anschluss genauso dem Tode geweiht, wie der USB-Typ-A-Anschluss und der derzeitige Thunderboltanschluss – wie wichtig an einem Mac ein HDMI-Anschluss ist lässt sich noch streiten. All diese Anschlussarten sind keine wirklich zukunftssicheren Normen und somit eine Altlast. Ein MacBook Pro wird sich künftig stark auf USB-Typ-C konzentrieren und mehrere dieser Anschlüsse beherbergen. So können diese Anschlüsse frei zum Laden des Gerätes, zum Übertragen von Daten oder zum Anschließen von Peripheriegeräte genutzt werden – an jedem Anschluss immer mit dabei auch Thunderbolt 3. Die Konnektivität ist neben der Mobilität das zweit Wichtigste Merkmal eines künftigen MacBook. Wi-Fi und Bluetooth nehmen uns heute schon viele Verbindungen ab, in dem sie Geräte mit dem Mac kabellos koppeln. Künftige MacBook-Geräte werden sich noch viel stärker auf diese Art der Verbindung konzentrieren, um den Computer mit so wenig Kabel wie möglich erblicken zu lassen. Auch der Kopfhöreranschluss wird an einem Mac mit der Zeit keine Berechtigung mehr finden und seine Anschlussart ändern. Hier wäre USB-Typ-C der große Kandidat oder schlicht auch Bluetooth.

Geht man vier Schritte zurück und betrachtet ein MacBook mit einer feinfühligen Weitsicht, dann kann man seine neuen Ziele erahnen. Ein Mac wird in seiner Zukunft zu einem immer leichteren, dünnerem, in Bezug auf auf seine Gerätedimensionierung immer handlicherem und zugleich leistungsstärkerem Computer mutieren und dadurch viele Altlasten auf Dauer vergessen lassen. Es wird ein Computer sein, der direkt an ist wenn man ihn aufklappt, der unglaubliche Akkulaufzeiten besitzt, softwaretechnisch Benutzeroperationen vorausschauend unterstützt, sich zu Wi-Fi- und Mobilfunknetze verbinden kann und durch einen im Trackpad eingelassenen Touch ID Sensor entsperren lassen wird. Eine Tastatur wird uns nicht nur zum Tippen von Text, sondern auch zum Erfühlen von Bildschirminhalten dienen können – Brailleschrift hier nur als ein Beispiel. Wir werden Kabel ganz neu verstehen und sie schlicht benutzten, statt über ihre Kompatibilität nachzudenken. Ein MacBook wird in seinem Gesamtbild noch viel mehr ein Gerät sein, das wir zum Arbeiten jederzeit griffbereit haben möchten. Wenn man sich diese Ziele heute betrachte, dann wird es ein Computerkonzept werden von dem wir heute teilweise noch zurückschrecken. Aber es wird ein Computer werden der uns antrainierte Altlasten automatisch verlernen lässt, uns auf einer neuen Ebene ausrichtet und uns ganz neu unterrichtet. In der Zukunft werden wir durch das MacBook einen Computer ganz anders verstehen, so wie wir seit 2007 auch Handys ganz anders verstehen.


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