Ich sage es, wie es ist: Apple macht in Sachen Datenschutz vieles richtig. Wahrscheinlich mehr als jeder andere große Technikkonzern. Und trotzdem gibt es da eine Lücke, über die erstaunlich wenig gesprochen wird. Eine Lücke, die Apple nicht schließen kann – und ehrlich gesagt auch gar nicht schließen will. Oder besser: nicht schließen muss. Weil sie gar nicht in Apples Zuständigkeit fällt. Und genau das ist das Problem.

Was Apple wirklich schützt …
… ist eine ganze Menge, und das muss man auch erst mal anerkennen. iMessage ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt. FaceTime ebenso. Die Fotos auf eurem iPhone werden lokal verarbeitet, bevor irgendetwas in die iCloud geht. Safari hat einen Tracking-Schutz, der Werbetreibende zur Weißglut bringt. App Tracking Transparency zwingt jede App, euch vorher zu fragen, bevor sie eure Daten über mehrere Dienste hinweg verfolgen darf. Und mit dem erweiterten Datenschutz für die iCloud könnt ihr mittlerweile fast alles Ende-zu-Ende verschlüsseln – Backups, Notizen, Fotos, alles. Das ist kein Marketing. Das funktioniert. Ich nutze das alles seit Jahren und es gibt mir ein gutes Gefühl, zu wissen, dass Apple meine Daten nicht lesen kann, selbst wenn jemand danach fragen würde. Innerhalb des Apple-Ökosystems bin ich ziemlich gut geschützt. Soweit, so schön.
Aber dann hört Apple auf.
Und genau hier wird es interessant. Denn unser digitales Leben endet nicht an der Grenze des Apple-Ökosystems. Wir bestellen bei Online-Shops, melden uns bei Diensten an, geben unsere E-Mail-Adresse bei Gewinnspielen ein, registrieren uns bei Newslettern, erstellen Accounts bei Plattformen, die wir drei Wochen später schon wieder vergessen haben. Jede dieser Interaktionen hinterlässt Daten – und diese Daten liegen nicht bei Apple. Die liegen bei Datenbrokern. Databroker sind Unternehmen, die personenbezogene Daten sammeln, bündeln und weiterverkaufen. Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail, Kaufverhalten, manchmal sogar geschätzte Einkommensverhältnisse. Diese Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen, aus Registrierungen, aus dem Kleingedruckten, das niemand liest. Und Apple kann dagegen nichts tun. Nicht, weil sie es nicht wollen, sondern weil diese Daten nie durch Apples Systeme gelaufen sind. Sie wurden woanders erhoben, woanders gespeichert und woanders verkauft. Apples Datenschutz schützt euch innerhalb der Mauern. Aber was außerhalb passiert, liegt außerhalb ihrer Kontrolle.
Das ist keine Kritik an Apple.
Das muss ich hier klar sagen, weil ich weiß, dass es sonst falsch verstanden wird. Apple ist nicht schuld daran, dass Databroker existieren. Aber ich finde es wichtig, dass wir als Nutzer verstehen, wo der Schutz aufhört. Denn das Gefühl, dass „Apple sich ja um alles kümmert“, ist trügerisch. Es kümmert sich um alles, was in seinem Ökosystem passiert. Für den Rest sind wir selbst zuständig. Und dieser Rest ist nicht klein. Laut einer Analyse des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik landen persönliche Daten im Schnitt bei deutlich mehr Unternehmen, als den meisten Menschen bewusst ist. Wer mal seinen eigenen Namen bei einem Personensuchdienst eingibt, erschrickt oft darüber, was da alles auffindbar ist. Adresse, Alter, manchmal sogar Telefonnummer – frei zugänglich, weil irgendjemand irgendwann die Daten weitergegeben hat.
Was kann man da eigentlich machen?
Tja. Manuell ist das eine Sisyphusarbeit. Man müsste jeden einzelnen Databroker anschreiben, die Löschung der eigenen Daten verlangen und dann kontrollieren, ob die Löschung auch wirklich stattgefunden hat. Und das bei Hunderten von Unternehmen, regelmäßig, weil die Daten ja immer wieder neu auftauchen. Das macht niemand. Realistisch betrachtet macht das wirklich niemand. Hier kommt Incogni ins Spiel. Der Dienst übernimmt genau diese Arbeit: Er kontaktiert Databroker in eurem Namen, verlangt die Löschung eurer personenbezogenen Daten und überwacht, ob sie auch gelöscht bleiben. Automatisiert, regelmäßig, ohne dass ihr euch selbst darum kümmern müsst. Ich finde das als Ergänzung zum Apple-Ökosystem tatsächlich ziemlich sinnvoll – weil es genau die Lücke schließt, die Apple selbst nicht schließen kann.
Am Ende …
… geht es mir hier nicht darum, Apple schlechtzureden. Im Gegenteil. Aber ich glaube, dass viele von uns – mich eingeschlossen – sich zu lange eingeredet haben, dass ein Apple-Gerät automatisch bedeutet, dass unsere Daten sicher sind. Innerhalb des Ökosystems stimmt das. Außerhalb nicht. Und solange wir im Internet Dinge kaufen, uns anmelden und Formulare ausfüllen, wird es dieses „Außerhalb“ immer geben. Die Frage ist nur, ob man sich darum kümmert oder ob man es einfach ignoriert. Ich habe mich fürs Kümmern entschieden.
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