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Es gibt Technologie, die wirkt wie ein Fossil aus Urzeiten – dabei sind gewisse Dinge noch gar nicht so lange her. Mehr oder weniger vergessen wir Dinge direkt, sollte und etwas Neues erfahren. Mit Technologie ist dies nicht anders. Kaum hält man das neueste iPhone in Händen, ist das Vorgängermodell abgeschrieben und als langweilig erklärt. Und wer erinnert sich da heute noch freiwillig an das Jahr 2001 und den iPod?

Wie konsumierte man früher Musik? Eine Frage die man sich sicher gar nicht stellt. Musik war aber schon immer eine Spezialität für sich, denn jeder bringt seinen ganz eigenen Musikgeschmack mit sich. Egal welcher es ist, das Medium dafür war in Anfangstagen die gute, alte Schallplatte. Der Volksmund betitelte das Medium irgendwann auch schlicht als Vinyl, da die Schallplatte aus dieser Kunststoffart gefertigt wurde. Rillen in Plastik bannten millionenfache Musikstücke weltweit und setzten ihnen eine bis heute unverkennbare, warme und leicht knisternde Note auf. Die Kassette wollte als analoges Medium in der gleichen Liga mitspielen und machte Musik erstmals tragbar. Der Walkman und seine Kopfhörer prägten eine gesamte Generation und die Kassette war, ausgerüstet mit einem Bleistift, eine täglicher Begegnungspunkt. High Definition Sound und schnelles Finden und Abspielen einzelner Titel über und auf einer beschichteten Kunststoffscheibe – das war die Audio-CD und ihr zeitgleiches Versprechen, alles besser und digital zu können.

Das Medium für die Musik änderte sich schneller als viele Dinge zuvor. Eine ganze Industrie änderte sich zugleich mit – nicht nur in Sachen Vermarktung, sondern auch in der Denkweise von Kopierschutzmechanismen digitaler Medien. Mit dabei auch Apple, deren Fokus auf Musik auch immer einer Spezialität für sich entsprach. Mit iTunes als Software wollte Apple die Musik auf ein anderes Level bringen. iTunes erschien im Januar 2001 und ermöglichte am Mac das rippen von gekauften CD’S und somit das Archivieren und Abspielen der Lieder auf dem Computer. Ebenfalls konnte man sich so erstmals eigene Playlists mischen und auch erneut auf CD bannen.

“Rip, Mix, Burn”

Ein klassischer PR-Spruch aus dieser Zeit. Was der Disc-Man als tragbares Abspielgerät für Musik in Form von Audio-CD’s bot, sollte bald ebenfalls durch etwas abgelöst werden, das alles besser und digital umsetzen wollte – der iPod.

Der 23. Oktober 2001 war ein Tag, an den sich nur noch wenige erinnern. Es war allerdings ein Tag an dem Geschichte geschrieben wurde. Ein Weg wurde eingeschlagen, der sich Jahre später immer mehr verzweigte und uns heute auf dem Level Musik genießen lässt, wie wir es kennen – immer und überall. Der iPod wurde am genannten Tag der Öffentlichkeit vorgestellt und wer hätte dies besser vollbringen können, als der Visionär Steve Jobs selbst. Man muss dazu sagen, dass Apple in dieser Zeit finanziell am Boden lag, sich einer Neuausrichtung unterzog und neue Produktkategorien hervorbringen wollte – der iPod war eines dieser Geräte. Der iPod war von Beginn an ein tragbares Abspielgerät für Musik. Anders als ein Walkman oder Disc-Man, nahm der iPod die Musik in einem in iTunes konvertiertem Format entgegen und speicherte sie auf einer 1,8″ Festplatte.

“1000 Songs in deiner Hosentasche!”

Ein unverkennbarer PR-Spruch aus dieser Zeit, der direkt vermittelte, dass mann gefühlt Unmengen an Musik mitnehmen und immer hören konnte. Die verbaute Festplatte war die erste ihrer Art, kam direkt von Toshiba und besaß eine Speicherkapazität von 5GB. Heute eine lachhafte Speichergröße, doch damals der Durchbruch für die digitale Musik. Der erste iPod war nur mit dem Mac kompatibel. Etwas woraus Apple schnell lernte, in dem sie sich mit iTunes auch erstmal für Windows öffneten und so auch PC-Besitzern die Applewelt ein wenig näher bringen konnten. Bald schon wurde der iPod am Mac und PC mit Musik über iTunes bestückt, denn CD’s hatte zu dieser Zeit jeder zum rippen im Regal stehen.

Die Unterstützung für Windows erhielt iTunes 2003 und zeitgleich auch einen online Musikkatalog – den iTunes Store. Zum ersten Mal konnte man durch Musik online stöbern, kurz in Titel hineinhören und sie auf Wunsch dann auch kaufen und auf seine Festplatte herunterladen. Damit wurde zum ersten Mal auch klar, dass sich jeder wie früher sein Mixtape selbst gestaltet und Alben auch auseinandergerissen werden dürfen. Schnell wurde iTunes das Werkzeug für digitale Musik und versorgte den am Mac oder PC angeschlossenen iPod mit seinem Medium. Nun, heute redet niemand mehr vom iPod – leider. Heute ist das iPhone unser Abspielgerät für Musik. In vielen Fällen aber auch ein anderes Gerät aus dem Ökosystem, um hier nur den HomePod kurz anzureisen. Auch kaufen wir heute kaum noch Musik, sondern haben durch ein monatliches, bezahlbares Abo von Apple Music Zugriff auf alle im iTunes Store lebenden Musikinhalte. Was früher also noch pedantisch ausgesucht, abgewägt, entschieden und erst dann gekauft und gehört wurde, ist heute direkt da – egal wann, wie und wo. Das lokale Denken, Musik an einem Ort zu speichern und zu verwalten, wirkt so alt, wie der iPod selbst. 

Das Click-Wheel. Nicht nur der Name war neu, auch die Funktion selbst. Über ein mechanisches Drehrad wurde das herauf- und herunterscrollen in Listen umgesetzt. Damit konnte der Benutzer auf dem iPod durch Listen für Interpreten, Alben, Titel und Genre navigieren. Ein in der Mitte des Rades platzierter Knopf diente zur Auswahl und Bestätigung. Ein Knopf für Start und Pause und für Vor und Zurück erledigten die Musikbedienung – Titel für Titel und selbsterklärend. Über den Menü-Knopf navigierte man einen Schritt zurück und sprang dadurch in vorherige Listen zurück. Der iPod hatte wenig Knöpfe und war durch seine intuitive Bedienung selbsterklärend – bis heute. All das war in einem polierten Edelstahlgehäuse eingelassen, abgedeckt mit einer von hinten in Weiß beschichteten Kunststoffscheibe. Von oben sah man als Benutzer den Firewire-Anschluss zum Aufladen des Akkus und für die Musikbefüllung via iTunes. Daneben, ganz unverkennbar, der 3,5mm Kopfhöreranschluss, den man auch vom Walkman und Disc-Man direkt wiedererkannte. Und direkt daneben lag ein Schieberegler, durch den die Bedienknöpfe auf der iPod-Vorderseite gesperrt wurden und so keine unbeabsichtigte Knopfbetätigung in der Hosentasche passieren konnte. Der Kopfhöreranschluss mag hier sehr unscheinbar wirken, doch die Kopfhörer die darin eingestöpselt wurden, die jedem iPod im Lieferumfang beilagen, für die Zeit noch relativ unbekannte In-Ear-Kopfhörer waren und komplett in einem reinen Weiß erstrahlten, machten den iPod zu einem unsichtbaren Wiedererkennungsmerkmal. Jeder der die weißen Kopfhörer in den Ohren trug hatte am anderen Kabelende auch einen iPod in der Hosentasche – das war zu dieser Zeit klar und ein sehr musikverbundener Wert.

Der iPod hat viele Denkweisen verändert und uns auch bis heute unbemerkt in diesem Segment geprägt. Was der iPod unsichtbar in der Hosentasche über kabelgebundenen Kopfhörer erledigte, macht heute das iPhone in gleicher Weise über die AirPods. Allein die Veranschaulichung der genutzten Kopfhörer drückt in diesem Fall schon aus, was der Nutzer in der Hosentasche verstaut hat, nutzt und lässt unsere Vorlieben auch miteinander verbinden. So kann man schon sagen, dass der iPod die Grundlagen für den heutigen Musikkonsum gelegt hat. Vielleicht in gewissen Punkten auch nur mit viel PR-Sprüchen, aber am Ende immer mit der Liebe und Hingabe zur Musik. 

Was du bist hängt von drei Faktoren ab: Was du geerbt hast, was deine Umgebung aus dir machte und was du in freier Wahl aus deiner Umgebung und deinem Erbe gemacht hast.

∼ Aldous Huxley ∼


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