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Schon 2007 verriet Steve Jobs in einem Interview persönlich, dass das iPhone in Zukunft auch Apps von anderen Entwicklern annehmen könne. Damit spoilerte er den AppStore, der 2008 offiziell pünktlich zum iPhone 3G erschien und der den damaligen noch nicht verständlichen Internet Comunnicator in eine glanzvolle Ära katapultierte und Software zu einem verständlichen App-Konstrukt formte.

Der AppStore ist in seinen 10 Jahren zum größten Softwaremarkt herangewachsen und beherbergt mehr als 2 Millionen Apps. Apps für iOS, tvOS, watchOS und macOS. Am AppStore sind somit alle Plattformen von Apple angebunden und können dadurch mit Software bestückt werden. Der Trick dabei ist das Richtige für sich zu finden, denn das ist nich wirklich einfach. Durch die ersten 500 verfügbaren Apps zum Start des AppStores in 2008 konnte man mit Zeitaufwand noch stöbern und Dinge austesten. Heute ist das in der Masse an Apps unmöglich geworden. Es ist viel mehr Zufall, dass einem eine gute und für sich nützliche App über den Weg läuft. Das geschieht durch Mundpropaganda aber vor allem durch das Internet. Blogs und Co. haben sich von Beginn an auf den AppStore gestürzt mit dem AppStore befasst und zeigen in regel- aber auch unregelmäßigen Abständen neue Apps auf. Seitenlange App-Reviews nehmen einzelne, mobile Anwendungen kleinlich unter die Lupe und zeigen Vor- und Nachteile auf. Das schafft vor einem App-Kauf Klarheit aber zeigt in erster Linie überhaupt die genannte App im riesigen Softwaremeer auf. Nur durch solche medialen Eingriffe wurden in den letzten Jahren überhaupt einige unbekannte Apps an Land gespült und zu einer gewissen Größe – auch Instagram in seinen Anfangstagen.

Mediale Blogs finanzierten diese Arbeiten in der Vergangenheit immer über eine Provision seitens Apple. Kauft ein Leser eine verlinkte App über den Artikel, so wird ein prozentualer Anteil an den Blogbetreiber gezahlt. Keine riesigen Summen, aber für Blogs deren Hauptaufgabe und Haupteinnahme das vorstellen und aufzeigen von solchen Apps ist, verdient dies die täglichen Brötchen und bezahlt vielleicht sogar die Miete und weitere Mitarbeiter. Möglich macht dies das Apple Affiliate-Programm. Dienste die sich also auf das professionelle Vorstellen von Software aus Apples Softwaremarkt spezialisiert haben und durch Apples Affiliate-Programm durch App-Verkäufe ihre Arbeit finanzieren ließen, sehen heute alt aus. Apple stellt zum 01. Oktober 2018 dieses Programm für App-Verkäufe aus dem AppStore für iOS, macOS, watchOS und tvOS komplett ein. Wie verdienen solche Blog nun ihr Geld? Und werden sie ihre Arbeiten überhaupt jetzt weiterführen können? Sind App-Entwickler künftig bereit für App-Reviews zu zahlen, um ihre App in Zukunft wieder in der Masse ans Meer spülen zu lassen – unabhängig von den durch Apple kuratierten Empfehlungen? Was sind die Beweggründe von Apple, das Affiliate-Programm so zu beschneiden? Und wie könnte eine sinnvolle Lösung aussehen? Fragen über Fragen!

In einer Ankündigung seitens Apple ist die Rede von den geänderten AppStores unter iOS 12 und macOS 10.14. Der MacAppStore wurde schon viele Jahre stark vernachlässigt und erhält in diesem Jahr nun erstmal einen neuen Anstrich, aber auch ein neues Konstrukt im Hintergrund. Aus den Veränderungen im Hintergrund scheint also ein Konflikt zur Erkennung von Apps stattzufinden – so erklärt es Apple. Aus diesem Grund werde das Affiliate-Programm beschnitten. Natürlich hat dies aber auch vielleicht was mit dem Today-Feed im AppStore zu tun, für den App-Entwickler Geld an Apple zahlen können, damit ihre App im AppStore präsenter angezeigt wird. Ein Schelm wer hier böses denkt. Auf der anderen Seite kann es nicht nur Geld sein, das hier wichtig erscheint. Da Apple an jedem App- und In-App-Kauf 30% verdient und bei einer Affiliateverlinkung 7% zahlt, bleiben dem Konzern noch 23% übrig. Fraglich ist also ob der Kosten- und Nutzenfaktor für Apple ausreicht, um die 23% als korrekte Antwort gelten zu lassen. Das heißt, wenn Dritte tatsächlich Verkäufe schaffen würden, die Leute für Dinge bezahlen lassen, die sie sonst vielleicht nicht kaufen würden, dann glaube ich, dass Apple das Programm behalten würde.

Vielmehr sind es mit Sicherheit große und darauf spezialisierte Buden, die es auf die 7% Provision abgesehen haben – koste es was es wolle. Dass Apple diese Ausschüttung bereits nach 24 Stunden an den Teilnehmer des Affiliate-Programms ausschüttet, sollte vielen hoffentlich klar sein. Verlinken diese Buden also auf kostenlose Apps, dann ist das erst einmal okay. Solche kostenlosen Apps werben aber gerne damit, dass man eine Spielbelohnung erhält, sollte man sich eine andere aber kostenpflichtige App herunterladen. Schon greift ein Mechanismus aus In-App-Kauf und Verkaufsmasche zugleich. Klar, dass man mit der Beendung des Affiliate-Programms solche bösen Buden aussperrt. Aber sollte man nicht auch die Appentwickler mit diesen In-App-Maschen bestrafen? Diese großen Buden verlinken damit Müll-Apps, die keiner wirklich laden sollte. Klickt er dennoch eine an und kauft später etwas andere im AppStore, dann greifen immer die 7% an Provision – dafür, dass Müll verlinkt wurde. Das ist oft in sozialen Plattformen zu beobachten, wo irgendeine kostenlose App angepriesen und danach auch tausendfach kostenlos geladen wird. Im Anschluss zahlt Apple für alle weiteren Käufe dann 7% an Provision aus. Eine derbe Masche, um das System auszureizen und Geld zu kassieren. Doch Apple zahlt definitiv in diesem Fall. Noch, denn es sind immer die bösen Buben, die am Ende bei Regeländerungen auch die braven Buben büßen lassen. Apple hat, und das muss man so sagen, leider perverse Anreize, Spam-Apps, Affiliate-Marketing und programmatische Werbekampagnen ermöglicht. Aus diesem Grund beendet Apple das Affiliate-Programm für den AppStore. Es ist übrigens sinnvoll, wieso Musik, Filme, Bücher und Co. weiterhin dem Programm angehören – diese Medien sind zum größten Teil immer zu bezahlen. Eine systematische Ausnutzung durch Verlinkung kostenloser Inhalte also stark auszuschließen. Dies sind in dem Fall Käufe die sowieso getätigt werden würden.

Da Apple aber von dem Affiliate-Programm dennoch profitieren könnte und es einige Probleme in dem Umgang mit Apps, deren Provisionen und dem ganzen Programm geht, schlage ich eine Änderung des Programms vor, anstatt es komplett zu beenden. In erster Linie könnte das Affiliate-Programm so funktionieren, dass nur direktverlinkte Apps anerkannt werden. Eine App muss also direkt verlinkt, angeklickt und auch gekauft werden, damit der Linksetzer seine Provision erhält. Dadurch würden kostenlose Apps aus dem Raster der systematischen Provisionsausbeutung fallen. In diesem Fall findet also nur eine Provision für den direkt verlinkten Artikel statt, nicht für die darauf folgenden Käufe. Auch könnte Apple das Affiliate-Programm mit Apple-ID’s verknüpfen. Durch den Abgleich der Daten könnte eine Auszahlung an Entwickler unterbunden werden. Viele Entwickler setzen auf ihren Webseiten Links zu ihren Apps in den AppStore. Dies sind meist Affiliate-Links, wodurch die Entwickler 77% (70% Verkauf + 7% Provision) erhalten und somit mehr Gewinn einfahren. Würde man dies unterbinden. wäre wiederum eine systematische Ausnutzung des Programms unterbunden. Diese Änderungen würden praktisch den gesamten Missbrauch im App-Affiliate-Programm eliminieren, da die meisten Missbrauchsfälle davon abhängen, Leute dazu zu bringen, eine kostenlose App herunterzuladen, in der Hoffnung, dass sie Geld für den Affiliate durch spätere Käufe von bezahlten Inhalten generieren. Warum sollte das Programm jedoch überarbeitet werden? Das Beenden löst doch auch die Probleme – und ohne die Arbeit, die oben genannten Änderungen vorzunehmen. Warum sollten sie sich also Zeit und Mühe nehmen, Dinge zu revidieren anstatt sie zu beenden?

Der Today-Feed umfasst pro Woche 133 Apps. Das ist, in Anbetracht der App-Menge, eine winzige Zahl – mikroskopisch klein. Selbst wenn es 200 Apps pro Woche wären, würden pro Jahr gerade einmal 1% der hochwertigen Apps im AppStore vorgestellt werden – denn es kommen in dieser Zeit auch immer neue Apps aber auch hochwertige App-Updates dazu. Der Today-Feed alleine ist also kein Garant für eine App-Findung – wodurch die Arbeit durch App-Blogger und App-Reviews immens verstärkt wird. Apple selbst ist derzeit schlicht nicht in der Lage, um jeden Nutzer, und mittlerweile sind es mehr als eine Milliarde aktivierte Geräte, individuell mit den besten Apps zu beraten – gerade wenn diese in Nischen sitzen und denken. Blogs und Reviews, die sich auf einzelne, spezielle Nischen eingearbeitet haben, kennen ihre Zielgruppe und bedienen diese somit direkt – immer wieder. Ich vermute, dass Apple denkt, dass die meisten dieser Websites ohne das Affiliate-Programm im Geschäft bleiben werden – und diejenigen, die sterben, sind in der Regel weniger wichtig. Wenn das der Fall ist, dann könnte Apple den Nutzen dieses Ökosystems nutzen, ohne dafür zu bezahlen, aber es gibt einen Grund, warum es am besten ist, wenn Apple zahlt – weil es die Interessen von Apple und 3rd-Party-Affiliates zusammenbringt. Es versteht sich von selbst, dass Apple möchte, dass Menschen Apps kaufen und nutzen. Jeder weitere App-Kauf macht nicht nur den AppStore zum besten Ort, um Apps zu verkaufen, sondern schafft auch zusätzliche “Lock-In” -Funktionen für Nutzer im Apple-Ökosystem. Es gibt hier einen positiven Kreislauf, von dem Apple profitiert. Je mehr Menschen Apps kaufen, desto wahrscheinlicher bleiben sie bei Apple und kaufen weiterhin Apps. Je mehr Menschen Apps kaufen, desto größer ist der Anreiz für Entwickler, qualitativ hochwertige Apps zu entwickeln was wiederum Benutzer anzieht und behält. Jeder gewinnt in diesem Szenario. Nutzer erhalten hochwertige Apps, Entwickler werden entlohnt und Apple erhält loyale Nutzer, hochwertige Apps und profitiert von allen Verkäufen, die ein treuer Kunde tätigt, und baut damit seinen Service-Umsatz auf, der ein strategischer Schwerpunkt ist. Das Affiliate-Programm trägt diesem Zyklus somit aktiv bei. Die Änderungen wären somit in allen Punkten besser, als alles komplett zu beenden und hinzuwerfen. Fraglich, ob Apple das auch so sieht…

Misserfolg ist lediglich eine Gelegenheit, mit neuen Ansichten noch einmal anzufangen. ∼Henry Ford ∼


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