Das iPhone hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Betrachtet man die Gerätegeschichte einmal im Rückblick, so fällt auf, dass Apple stets ein Ziel verfolgte: das Display immer mehr in den Vordergrund zu rücken und das eigentliche Gerät drumherum zurückzunehmen. Während die ersten iPhones noch deutliche Ränder besaßen und der Home-Button als zentrales Bedienelement die Vorderseite dominierte, hat sich dieses Bild mit jeder Generation weiter verändert. Der Traum eines iPhones, das auf der Front nur noch aus einem durchgehenden Bildschirm besteht, begleitet Apple-Fans seit über einem Jahrzehnt. Es war lange ein Zukunftsversprechen, ein Designideal, das fast unerreichbar schien. Doch heute sind wir näher dran als je zuvor.

Diese Kolumne lese ich dir auch persönlich und werbefrei in einer Podcastepisode vor.
Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg war das iPhone X, …
… das Apple 2017 präsentierte. Zum ersten Mal seit der Einführung des iPhones verschwand der Home-Button, der so lange das Gesicht des Gerätes geprägt hatte. Damit rückte das Display deutlich stärker in den Mittelpunkt und reichte nun nahezu bis an die Gehäusekanten. Natürlich war die Notch, die den Platz für Frontkamera und Face-ID-Sensoren benötigte, zunächst ein Kompromiss, doch sie war gleichzeitig Ausdruck dafür, dass Apple bereit war, radikale Veränderungen am grundlegenden iPhone-Design vorzunehmen. In den folgenden Jahren wurde die Notch kleiner, die Displayränder wurden dünner, und das gesamte Gerät wirkte dadurch moderner, beinahe so, als würde es ausschließlich aus einer glänzenden Oberfläche bestehen.
Diese Entwicklung war kein Zufall, sondern Teil einer konsequenten Strategie, die sich auch bei anderen Apple-Produkten beobachten lässt. Beim iPad etwa vollzog sich ein ähnlicher Wandel: Der Home-Button verschwand auch hier, die Ränder wurden reduziert, und die Geräte gewannen dadurch eine völlig neue Ästhetik. Die Inhalte, egal ob Filme, Fotos oder Apps, standen noch stärker im Zentrum, während das Gehäuse optisch fast in den Hintergrund trat. Apple versteht es seit jeher, mit solchen Designentscheidungen eine ganze Produktkategorie neu zu definieren und zugleich die Vision von Technologie als nahtlosem Werkzeug sichtbar zu machen.
Doch nicht nur Apple allein hat diesen Fortschritt möglich gemacht.
Auch die Displaytechnologie selbst hat in den letzten Jahren große Sprünge vollzogen. Früher dominierten LCD-Panels, die zwar funktional waren, aber durch ihre Bauweise vergleichsweise dick und im Hinblick auf Bildqualität limitiert. Heute sind OLED-Panels Standard, die nicht nur dünner und energieeffizienter sind, sondern auch eine Bildqualität liefern, die sich in tiefem Schwarz, kräftigen Farben und hoher Helligkeit zeigt. Parallel dazu wurden Displays immer flexibler und robuster, sodass auch gebogene Formen denkbar sind. Gleichzeitig arbeiten Hersteller an sogenannten Under-Display-Lösungen, bei denen Kameras, Sensoren oder sogar Lautsprecher unter dem eigentlichen Displayglas verschwinden. Diese Technologien sind bisher nicht perfekt, aber sie zeigen sehr deutlich, wohin die Reise geht: hin zu einem Gerät, das wirklich keine sichtbaren Unterbrechungen mehr besitzt.
Ein All-Screen-iPhone, das nur noch aus Display besteht, hätte mehrere Vorteile. Aus Nutzersicht wäre es vor allem die absolute Immersion. Inhalte könnten auf einer Fläche dargestellt werden, die durch nichts abgelenkt wird – kein Rahmen, keine Aussparungen, kein Gehäuseelement, das den Blick stört. Wer ein Video anschaut oder ein Spiel spielt, würde vollständig in die Darstellung eintauchen. Auch im Alltag, beim Surfen oder beim Schreiben von Nachrichten, würde die Darstellung größer und klarer wirken, obwohl das Gerät physisch vielleicht gar nicht wachsen müsste. Denn ein weiterer Vorteil liegt darin, dass Apple die Gerätegröße im Wesentlichen beibehalten könnte, während der nutzbare Bildschirm wächst. Das bedeutet mehr Platz für Inhalte, ohne dass das Gerät unhandlicher wird.
Ferner wäre ein solches iPhone ein echtes Statement im Hinblick auf Design.
Schon lange wird in der Branche davon gesprochen, dass das Smartphone irgendwann nur noch aus einem Stück Glas bestehen soll. Apple hätte damit die Chance, diesen Traum Realität werden zu lassen und gleichzeitig erneut einen Meilenstein in der Designgeschichte zu setzen. Es wäre die konsequente Reduktion auf das Wesentliche – ein leuchtendes, reaktives Stück Glas, das wie ein Fenster in die digitale Welt funktioniert. Gerade für ein Unternehmen wie Apple, das Design nicht als Beiwerk, sondern als zentrale Philosophie versteht, wäre dies ein logischer und fast schon unvermeidlicher Schritt.
Natürlich bringt ein solches All-Screen-Gerät auch Nachteile mit sich, die man nicht unterschätzen darf. Ohne die schützenden Rahmen, die heute noch ein kleines bisschen Stabilität geben, wäre das Display deutlich anfälliger für Beschädigungen. Ein Sturz könnte schneller fatale Folgen haben, weil schlicht keine Pufferzone mehr vorhanden ist. Auch die Ergonomie stellt eine Herausforderung dar: Ein Display, das bis über die Seiten reicht, könnte ungewollte Eingaben registrieren, sobald man das iPhone einfach nur in der Hand hält. Hier müsste Apple clevere Softwarelösungen entwickeln, die solche Fehleingaben minimieren, ohne die Bedienung einzuschränken.
Ein weiteres Problem liegt in den technischen Grenzen der Under-Display-Technologien.
Zwar ist es faszinierend, dass Kameras oder Face-ID-Sensoren unter dem Display verschwinden könnten, doch die Praxis zeigt bisher, dass die Bildqualität darunter leidet. Fotos werden unschärfer, Sensoren reagieren unzuverlässiger, und auch die Helligkeit an den entsprechenden Displaystellen kann sichtbar abfallen. Apple ist bekannt dafür, neue Technologien erst dann einzusetzen, wenn sie ausgereift sind. Insofern dürfte ein echtes All-Screen-iPhone erst dann erscheinen, wenn diese Kinderkrankheiten vollständig gelöst sind.
Am Ende ist es aber genau diese Mischung aus Fortschritt und Perfektionismus, die Apple von anderen Herstellern unterscheidet. Während es bereits heute Smartphones mit sehr schmalen Rändern und Under-Display-Kameras gibt, sind diese Geräte meist mit Kompromissen verbunden. Apple hingegen arbeitet seit Jahren Schritt für Schritt darauf hin, ohne Abkürzungen zu nehmen. Der Weg vom iPhone mit dicken Rändern und Home-Button hin zum All-Screen-Gerät ist damit nicht nur eine Designreise, sondern auch eine Geschichte über technologische Reife und über Apples Anspruch, Visionen erst dann Wirklichkeit werden zu lassen, wenn sie für den Nutzer tatsächlich sinnvoll sind.
Ob es nun in zwei, drei oder fünf Jahren so weit ist, …
… lässt sich kaum vorhersagen. Doch die Zeichen sind eindeutig: Displays werden immer flexibler, immer hochauflösender und immer unauffälliger in ihrer Technik. Das iPad hat gezeigt, wie sehr ein Gerät an Modernität gewinnt, wenn der Rahmen verschwindet. Das iPhone hat gezeigt, wie man mit Mut und Innovationskraft den Home-Button durch Gestensteuerung und Face ID ersetzen kann. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Apple den nächsten Schritt wagt. Wenn dieser Tag kommt, wird das iPhone wahrscheinlich so aussehen, wie wir es uns schon seit Jahren vorstellen: als reines Stück Glas, das sich erst beim Einschalten in ein mächtiges, leuchtendes Portal zur digitalen Welt verwandelt.
Seit mehr als einem Jahrzehnt ist es unsere Absicht, ein iPhone zu schaffen, das nur noch aus Display besteht. Ein physisches Objekt, das im Nutzungserlebnis verschwindet
∼ Jony Ive – ehemaliger Apple-Design-Chef ∼
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