Das abendliche Runterlassen und morgendliche Hochziehen der Rollläden ist eine nervige Routine – da stimmt mir jeder zu, oder? Mit Sicherheit haben einige von euch schon elektrische Rollläden, vor allem wenn ihr in einem neuen Haus oder einer neuen Wohnungsanlage wohnt. Zu einem ganz großen Anteil werden Rollläden aber heute noch über einen Gurt hochgezogen und runtergelassen. Da ich in meinem Elternhaus das komplette 1. Stockwerk für mich als Wohnung kernsaniert und ausgebaut habe, galt es viele Dinge neu zu denken. Neue Rollläden wurden verbaut aber weiterhin klassisch mit Gurtbedienung belassen. Ansich hätte ich da gleich eine elektrische Welle im Rollladen verbauen und Schlitze für den Strom und die Bedieneinheit planen können – hab ich aber schlicht vergessen. Naja, ich habe das Problem anders gelöst und die klassischen Gurtwickler durch elektrische Gurtwickler ersetzt und diese mit etwas Software und Begeisterung in HomeKit eingebunden. Wenn ihr zu Hause auch Rollläden mit klassischem, manuell bedienbarem Gurt habt, dann zeige ich euch nun wie ihr das alles durch etwas Technik in Verbindung mit HomeKit-Automation ersetzen könnt.

Erst einmal braucht ihr passende Hardware dafür. In diesem Fall sind da nur die elektrischen Gurtwickler von Rademacher nutzbar. Ich hab lange gesucht und etwas passendes gesucht. Allerdings bietet nur Rademacher eine sehr hochwertige Art der elektrischen Gurtwickler an und es ist auch das einzige System, das sich per Funk steuern/bedienen lässt – gerade das ist das wichtige an dem ganzen Vorhaben. Die elektrischen Gurtwickler lassen sich einmal manuell am eigenen Bedienfeld einstellen und bedienen aber auch über eine Zentrale fernsteuern und automatisieren. Für die Rollladensteuerung braucht es daher unbedingt die HomePilot-Zentrale von Rademacher.

Ich habe mir als Neueinsteiger das Set bestehend aus zwei elektrischen Gurtwicklern (jeweils 45kg Zugkraft) und der HomePilot-Zentrale zugelegt. Solltet ihr schon diese elektrischen Gurtwickler von Rademacher besitzen und nutzen, dann müsst ihr euch nur die HomePilot-Zentrale zulegen – welche es einzeln zu kaufen gibt. In meinem Fall war das Set aber viel sinnvoller und zugleich günstiger.

Es gibt zwei verschiedene Gurtwickler. Ansich sind sie absolut gleich, doch die Zugkraft unterscheidet sich. Ihr könnt also zwischen einem Modell mit 45kg Zugkraft und 60kg Zugkraft wählen. Für normale Rollläden sind 45 kg an Zugkraft absolut ausreichend (RolloTron Standard). Für größere Rollläden würde ich immer zur Variante mit 60kg Zugkraft greifen (RolloTron Standard Plus). Die späteren Funktionen der elektrischen Gurtwickler könnt ihr übrigens ignorieren, denn die Bedienung und Automatisierung wird später über HomeKit bewerkstelligt.

Der alte Gurtwickler muss weg, damit der elektrische Gurtwickler eingebaut werden kann. Lasst erst einmal den Rollladen komplett runter, denn dadurch ist die größte Spannung auf der federgespannten Rolle weg. Dreht nun die Schrauben auf der Vorderseite der Gurtwicklerblende heraus und zieht den komplett Gurtwickler raus. Achtung, es kann jetzt noch Spannung auf der Feder der Rolle sein und das ist normal. Am Handgurtwickler ist ein Sicherungstift auf einer der beiden Planseiten, den ihr hochbiegen und zur Sicherung nutzen solltet. Dreht nun den gesamten Gurt von der Rolle und löst ihn am Ende von der Rollenverankerung.

Nun packt ihr den elektrischen Gurtwickler aus. Bringt das Stromkabel am Gerät an, legt das Kabel in die seitlichen Gerätekanten ab und verschraubt die Stromkopplung mit der Blende. Das Stromkabel hat zwei Adern und es ist egal welche Ader in welcher Öse befestigt wird – so steht es aber auch in der Anleitung des Herstellers. Wenn ihr das getan habt, steckt ihr das Gerät in die Steckdose. Von hinten könnt ihr in den Gurtwickler hineinschauen und seht eine Walze. Auf dieser sitzt ein kleiner Anker, auf den der Gurt aufgesteckt und befestigt wird. Sollte der Anker nicht sichtbar und richtig erreichbar sein, dann lasst ihr den Gurtwickler nun über das vordere Bedienfeld so lange nach oben oder unten drehen, bis ihr den Anker auf der Walze seht und korrekt erreichen könnt. Zieht nun bitte wieder den Stecker aus der Steckdose. Der Rollladengurt hängt nun einfach an der Wand herunter und ihr schneidet nun das letzte Stück des Rollladens ab, in dem noch das alte Loch vom alten, manuellem Gurtwickler steckt. Setzt nun ein neues Loch im Gurtwickler. Dafür knickt ihr den Gurt einfach von unten nach oben ein paar Zentimeter um, schneidet von unten mit einer Schere einen kleinen Schnitt und klappt den Gurt dann wieder zurück – dadurch hab ihr einen Schlitz im Gurt zur Befestigung. Fädelt nun den Gurt von oben durch den elektrischen Gurtwickler und befestigt ihn über den neuen Schlitz auf dem sichtbaren Anker auf der Walze. Der Anker sollte richtig in den Gurtschlitz greifen – drückt den Gurt also fest genug auf den Anker und die Rolle. Nun den Stecker in die Steckdose, den Gurt etwas auf Spannung halten und den Gurtmotor einmal nach oben drehen lassen, damit sich der Gurt mindestens einmal um die Rolle legt – wenn er sich zweimal herumlegt ist das auch okay. Hauptsache er ist einmal gespannt auf der Rolle. Nun bitte den Gurtwickler vom Strom nehmen.

Checkt jetzt mal, ob der elektrische Gurtwickler in die Wandaussparung des alten Gurtwicklers passt. In der Regel sind diese Kästen genormt. Normalerweise, denn in meinem Altbau war da nix genormt – Grüße an Uropa und Opa für den Erbau. In meinem Fall saß zwar ein Gurtwicklerkasten in der Wand, der war auch breit genug, nur die Höhe war zu niedrig. Gut, wenn man als alter Handwerker den Kasten einfach in der Wand zerstören und komplett herausnehmen kann – diese Kästen sind meist aus dünnem Kunststoff und lassen sich schnell beseitigen. Die Breite passte schon zuvor, doch für die Höhe musste ich die Wandaussparung ca. 4 cm höher vorbereiten. Ging mit Hammer und Meißel in 5 Minuten. Alles einmal sauber abgesaugt und schon passte der neue Gurtwickler in die Wand. Ihr könntet an den gleichen Punkt kommen, sofern ihr in einem wirklichen Altbau wohnt, wo viele Sachen nicht genormt erbaut wurden. Sollte euer Kasten genormt sein, könnt ihr den neuen Gurtwickler einfach einschieben und mit den beigelegten Schrauben den Wickler in den vorhandenen Löchern an der Wand befestigen. Ich musste zwei neue Löcher bohren und Dübel setzen – dauerte 5 Minuten.

Alles ist eingebaut und nun kann es losgehen. Steckt den Stecker des elektrischen Gurtwicklers  in die Steckdose. Der Rollladen ist nun immer noch ganz unten. Drückt den Knopf an der Vorderseite mit dem Pfeil nach oben und lasst den Gurt nun so lange einziehen bist der Gurt einmal straff und kurz davor ist den Rollladen hochzuziehen, dann lasst ihr ihn wieder los. Nun müssen die Endpunkte eingestellt werden. Einmal der obere und der untere Endpunkt. Haltet Select (runder Knopf in der Mitte des Bedienfelds) und den Knopf mit dem Pfeil nach oben gleichzeitig gedrückt und ihr fahrt den Rollladen dadurch nach oben. Lasst beide Knöpfe los, wenn ihr den gewünschten Endpunkt erreicht hat. Ihr könnt nun beide Knöpfe erneut zeitgleich drücken und kurz halten, um den Endpunkt in Schritten anzufahren. Fahrt nicht zu hoch, damit die Rollladenstopper nicht anschlagen. Durch das Anfahren und folgende Loslassen der Knöpfe am Ende wird der Endpunkt automatisch gesichert. Das gleiche macht ihr nun mit dem Endpunkt nach unten. Wenn ihr nach der Endpunkteinstellung nun den Pfeil nach oben drückt, zieht der elektrische Gurtwickler den Rolladen auf den Endpunkt nach oben und durch den Pfeil nach unten auf den unteren Endpunkt. So baut man den Gurtwickler also ein und richtet ihn ein. Pro elektrischem Gurtwickler habe ich 30 Minuten gebraucht und ihr schafft das sicher auch so flott.

Herzstück zur Automatisierung ist der HomePilot. Dieser ist die Zentrale zur Fernsteuerung. Ich dachte erst, dass die elektrischen Gurtwickler von Rademacher etwas bekanntes sprechen, aber das System spricht seine ganz eigenen Sprache und lässt sich daher nur mit dem HomePilot per Funk steuern. Der HomePilot ist in 5 Minuten einsatzbereit. Auf der Geräterückseite öffnet ihr eine Klappe, steckt den WLAN-Stick aus dem Lieferumfang in einen der beiden USB-Ports und schließt die Klappe wieder. Verbindet die Zentrale mit dem beiliegendem LAN-Kabel mit eurem Router und anschließend über das mitgelieferte Netzteil mit Strom. Nun wartet ihr einfach ein paar Minuten ab bis die vordere LED nicht mehr blinkt, sondern dauerhaft und durchgehend grün leuchtet. Nun könnt ihr über die Weboberfläche auf den HomePilot lokal zugreifen. Das geht über “http://homepilot.local”. Auf der Oberfläche seht ihr ganz unten die IP-Adresse des HomePilots im Netzwerk. Diese notiert ihr euch nun bitte einmal. Außerdem solltet ihr in eurem Router einstellen, dass dem HomePilot im Netzwerk immer die gleiche IP-Adresse vergeben wird. Ihr könnt, sobald ihr die IP-Adresse des HomePilot kennt, ab sofort auch direkt über die IP-Adresse im Browser auf diesen zugreifen. Wechselt zuerst in den Bereich “Konfiguration” und dort in den Punkt “System”. Führt hier nun bitte ein Firmwareupdate durch, sofern eines vorhanden sein sollte. Startet die Installation der Firmware und sie wird heruntergeladen. Bestätigt nun die Installation der Firmware. Zeit für ne Kaffeepause, denn der HomePilot braucht nun wirklich mindestens 30 Minuten für die Installation. Lasst die Weboberfläche einfach auf und die Zeit herunterzählen – das Gerät meldet sich auf der Weboberfläche, wenn die Installation der Firmware vollzogen ist.

Nun werden die elektrischen Gurtwickler am HomePilot angemeldet und das ist ganz einfach. Wechselt auf der Weboberfläche des HomePilot in den Bereich “Konfiguration” und wählt dort oben den Eintrag “+ Gerät anmelden”. Der HomePilot startet in dem Moment einen Kopplungsmodus und ihr könnt das auch im neugeöffneten Fenster sehen. Geht an einen der elektrischen Gurtwickler und drückt Select (runder Knopf in der Mitte des Bedienfeldes) und den Uhr-Knopf zeitgleich bis die LED unter dem Uhrensymbol auf dem Display des Gurtwicklers grün leuchtet oder blinkt. Am HomePilot könnt ihr nun sehen, dass ein Gerät gefunden wurde. Wählt es an, vergebt dem Gerät einen Namen und sichert alles. Das macht ihr nun mit allen Gurtwicklern und schon ist das gröbste geschafft.

Nun gilt es das Rademacher-System über die Homebridge in HomeKit einzubinden. Wir ihr die Homebridge auf einem Raspberry Pi installiert könnt ihr in einer von mir gesonderten Anleitung lesen (->LINK). Öffnet die Homebridge-App auf eurem iPhone oder iPad und geht dort in den unteren Meüpunkt “Plugins”. Drückt oben auf das Pluszeichen und wählt im neuen Fenster den Eintrag “Universal”. Gebt hinter “hombridge-” nun “rademacher-homepilot” ein. Es sollte alles wie auf dem Screenshot aussehen und dann installiert ihr das Plugin über den Button “Installieren”.

Nun konfigurieren wird das Plugin. Dafür wechselt ihr in den unteren Menüpunkt “Geräte” und dann oben auf den Reiter “Plattformen”. Anschließend tippt ihr oben auf das Pluszeichen. Wählt im neuen Fenster nun das Plugin “rademacher-homepilot” aus. Anschließend öffnet sich ein Konfigurationsfenster in dem ihr zuerst auf “Platform” tippt und dann in beide Felder “RademacherHomePilot” eintragt – anschließend tippt ihr unten auf “Erstellen”.

Unter dem Menüeintrag “Geräte” könnt ihr nun den Eintrag für den Rademacher HomePilot erkennen. Tippt diesen bitte an, damit die Konfiguration weiter angepasst werden kann. Tippt nun oben auf “String”. Im neuen Fenster gebt ihr im Key-Textfeld “url” und im Value-Textfeld “http://IP-Adresse-des-Homepilot” ein und wählt dann oben “Zurück” und anschließend “Sichern”. “http://IP-Adresse-des-Homepilot” ist in dem Fall dann natürlich sowas wie “http://192.168.178.117” – also die IP-Adresse des HomePilots im Netzwerk. Wechselt nun auf den unteren Menüpunkt “Tools” und wählt “Pi Neustarten”. Das System fährt nun runter, wieder hoch und lädt Plugins und Konfiguration komplett neu.

In der Home-App erscheinen nun die am HomePilot angebundenen Gurtwickler. Sollte dies nicht der Fall sein, dann bitte die Home-App einmal komplett abschießen und erneut öffnen. Sollten nun immer noch keine neuen Geräte zu sehen sein, dann bitte die Konfiguration nochmals durchgehen und auf Tippfehler achten. Die Klein- und Großschreibung ist immer und überall zu beachten – einfach nach den Screenshots gehen. Die Rollladen werden in HomeKit als “Jalousie” deklariert und gewöhnlich dem Standardraum zugeordnet. Wählt einfach nun mal eine Rollladenschaltfläche aus. Ihr könnt nun den Rollladen verfahren lassen und das in prozentualer Abstufung. Dabei sind die 100% ein komplett hochgezogener und 0% ein komplett heruntergelassener Rollladen. Das Wort “Rollläden”, also das Plural von Rollladen, versteht Siri übrigens nicht. In diesem Fall solltet ihr jeden Rollladen als Jalousie deklarieren, wodurch später “Hey Siri, öffne/schließe alle Jalousien.” durchgeführt werden kann. Über die Details der einzelnen Schalter solltet ihr die Geräte wie gewohnt den zugehörigen Räumen zuweisen und sie korrekt benennen. Ich habe alle Rollläden in HomeKit als “Jalousie” betitelt. Dadurch kann man von dem Wort “Rollladen” komplett Abstand nehmen. Dennoch versteht Siri eine Jalousie auch als Rollladen, wenn man das Gerät mit diesem Namen anspricht. Ich habe ein kleines Video zur Demonstration erstellt – und nun seit ihr dran…

Wer noch Fragen zu HomeKit hat, dem lege ich immer wieder mein Buch ans Herz. Darin erkläre ich in insgesamt 13 Kapiteln und etlichen Abschnitten allerhand HomeKit-Themen einfach und verständlich. (->LINK zu iBooks).


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